Appell an die Zuschauer

Nach Feytags Rauswurf: Festspiel-Ensemble für Bürgerentscheid

Hersfeld-Rotenburg. Das Ensemble der Bad Hersfelder Festspiele solidarisiert sich mit dem gekündigten Intendanten. „Wir alle, die Mitarbeiter aller Abteilungen der Bad Hersfelder Festspiele, stehen wie ein Mann – oder eine Frau – hinter unserem sehr geschätzten Intendanten Holk Freytag“, heißt es in einer Stellungnahme.

Sie wurde nach der Vorstellung des Stücks „Die Wanderhure“ am Dienstagabend in der Stiftsruine verlesen.

Das Ensemble regt zudem einen Bürgerentscheid über die Rücknahme der Kündigung an. Dies sei die einzige Möglichkeit für alle, denen die Festspiele am Herzen liegen, die Entscheidung der fristlosen Kündigung rückgängig zu machen, appelliert das Ensemble an die Zuschauer.

Laut der Hessischen Gemeindeordnung hätten die Bürger der Stadt Bad Hersfeld die Möglichkeit, durch ein Bürgerbegehren oder einen Bürgerentscheid die Rücknahme der fristlosen Kündigung des Intendanten Holk Freytag einzufordern. Innerhalb einer Frist von acht Wochen müssten dazu 2300 Unterschriften im Rathaus eingereicht werden, heißt es in der Erklärung des Ensembles.

Für alle auswärtigen Zuschauer bestehe auch die Möglichkeit, ihren Unmut über die Entscheidung direkt zu äußern. Sie werden vom Ensemble aufgefordert, direkt an Bürgermeister Thomas Fehling zu schreiben. (kai)

Inzwischen hat auch Bürgermeister Thomas Fehling auf die Stellungnahme des Ensebles reagiert. Wir dokumentieren seine Pressemitteilung im Wortlaut:

"Aktion von Schauspielern für ein Bürgerbegehren zum Thema Intendanz

Am 29. Juli wurde bei den Bad Hersfelder Festspielen eine Aufführung von „Die Wanderhure“ gezeigt. Zum Schluss der Vorstellung kam es zu einer Solidaritätsbekundung für den Intendanten Holk Freytag. Das Publikum wurde von den Schauspielern aufgerufen, über ein Bürgerbegehren die vom Magistrat entschiedene Trennung von Intendant Freytag rückgängig zu machen. Nun äußert sich Bürgermeister Thomas Fehling zu dem speziellen Vorgang: „Die Idee klingt im ersten Moment gut und ist aus einer ersten Verärgerung und Solidarität der Schauspieler heraus nachvollziehbar. Allerdings - ein Bürgerbegehren ist in dieser Frage rechtlich gar nicht zulässig! Ohne ins Detail zu gehen: Rechtsverhältnisse von Gemeindebediensteten (und darum handelt es sich auch bei einem Intendantenvertrag) sind u.a. davon ausdrücklich ausgenommen, da ansonsten eine Stadtverwaltung bei Einzelfragen für Wochen und Monate handlungsunfähig gemacht würde. Es ist verständlich, dass man seitens der Schauspieler den oft bewunderten Ensemble-Geist der Bad Hersfelder Festspiele mobilisiert, sich mittelfristig vielleicht auch um Engagements sorgt, weil zukünftig neue künstlerische Entscheider kommen. Nicht gerechtfertigt ist es, für diese persönliche Interessensbekundung die Aufführungen der Festspiele zu nutzen. Abgesehen davon, dass dies arbeitsrechtlich nicht erlaubt ist, gibt es durchaus viele Festspielgäste, die einen schönen Abend genießen und nicht politisch einseitig angesprochen werden wollen. Die gemischten Reaktionen des Publikums gestern Abend haben das gezeigt.

Derartige Aktionen müssen vom Intendanten genehmigt sein – wenn er denn davon überhaupt wusste. Er ist Hausherr der Stiftsruine. Ähnliche Aktivitäten gegen den Arbeitgeber, die Stadt Bad Hersfeld, dürften zumindest zukünftig nicht stattfinden. Ich würde mir wünschen, dass die Schauspieler, welche das Thema Freiheit und Demokratie immer wieder auf der Bühne in künstlerisch beeindruckender, großartiger Weise „hochgehalten“ haben, eine Mehrheitsentscheidung durch ein gewähltes Gremium akzeptieren und damit professionell umgingen.“ so Fehling abschließend.

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