Bad Hersfelder Festspiele 2011: Rasmus Borkowski spielt in „Sunset Boulevard“

Fester als fest vergeben

Will kein Mädchenschwarm sein: Rasmus Borkowski, der Joe Gillis in „Sunset Boulevard“. Foto: Schönholtz

Bad Hersfeld. Wenn auf der Facebook-Seite von Rasmus Borkowski ein neues Foto des Schauspielers eingestellt wird, dann herrscht dort Hochbetrieb. Doch ein Mädchenschwarm will der 30-Jährige, der im Festspiel-Musical „Sunset Boulevard“ die männliche Hauptrolle des Joe Gillis spielt, nicht sein.

„Ich bin fester als fest vergeben“, sagt er mit Bestimmtheit und verweist darauf, dass seine eigene Website im Internet schon seit geraumer Zeit nicht mehr aktualisiert wird. „Ich mag das Wort Fan nicht. Ich halte mich da immer mehr raus,“ gibt er sich zurückhaltend.

Dazu hat der gebürtige Lübecker zumindest beruflich keinen Anlass: Schon mit 14 stand er zum ersten Mal auf einer Theaterbühne, und dem Studium an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München folgten zahlreiche (Haupt-) Rollen und mehrere Preise. Der Musical-Darsteller Rasmus Borkowski ist zweifellos ein gefragter Mann.

Doch auch darauf mag er nicht reduziert werden. So hat er in Wien im Theater in der Josefstadt erlebt, wie Musical-Zuschauer sich seinetwegen auch Tschechow angesehen haben. Das freut ihn.

Und es ist der Anspruch, den er an sich selbst stellt. Denn auch in der Stiftsruine möchte er nicht nur als schauspielernder Sänger, sondern für sein „ehrliches Spiel“ wahrgenommen werden. Dass er dies in Bad Hersfeld über große Entfernungen zum Publikum transportieren muss, daran arbeitet er gerade. „In Wien muss ich nicht senden,“ beschreibt er den Unterschied zwischen zwischen dem geschlossenen Haus und den Dimensionen der Freilichtbühne, „doch hier muss ich mich darauf einstellen, nicht zu verschwinden.“

Wie er das zu bewerkstelligen versucht, das beschreibt Borkowski so: „Ein Maler kreiert immer eine neue Realität. Das darf kein Abbild sein, denn das wäre etwas Leeres. Also möchte ich hier mit meiner eigenen Person eine neue Realität erschaffen.“

Wie Quark aus dem Mund

Weil ihm das gerade so eingefallen ist, und ihm „wie Quark aus dem Mund fließt“, wundert er sich ein bisschen über sich selbst. Denn eigentlich hat er in diesen Tagen den Kopf voll mit den Texten, die er für „Sunset Boulevard“ einstudieren musste.

Aber er ist ja flexibel. Denn Rasmus Borkowski kennt die Arbeit am Theater in- und auswendig. „Ich habe schon gefegt, Bühnenbild und Ton gemacht, eigentlich alles außer Führung.“

Fegen muss er bei den Festspielen nicht mehr. Dafür den feinen Galan spielen in der Villa der alternden Stummfilm-Diva Norma Desmond am „Sunset Boulevard“. Und dabei kein Abbild sein, sondern eine neue Realität kreieren.

Von Karl Schönholtz

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