250 Dinge (91): Der Kräutergarten des Landwirtschaftszentrums Eichhof

Ein Fest für die Sinne

BAD HERSFELD. Bei einem Bummel durch den Arznei- und Kräutergarten des Landwirtschaftszentrums Eichhof geht nicht nur Apothekern und Köchen das Herz auf. Bekannte und unbekannte Heil- und Gewürzpflanzen stehen hier dicht an dicht und laden Interessierte ein, sie näher kennenzulernen, sich begeistern und inspirieren zu lassen.

„Allein im Gewürzpflanzenbeet haben wir 27 Arten“, sagt Edith Foltys. Die Leiterin des Fachgebietes Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie im Landwirtschaftszentrum Eichhof hält eine grau-weiße Pflanze hoch: Currykraut, die Italienische Strohblume, duftet intensiv nach Curry und wird als Gewürz zum Beispiel mit Reis gekocht. Sie steht zusammen mit Setzlingen und anderen Pflanzen aus südlichen Gefilden im Gewächshaus, bis das Wetter dauerhafte Wärme verspricht.

Steine speichern Wärme

Draußen grünen dagegen Heide, Salbei, Schnittlauch, verschiedene Rosmarine, Petersilien und vieles mehr. Die Beete mit den Arzneipflanzen sind nach Indikationen sortiert und mit Steinen eingefasst. „Steine speichern Wärme und sind deshalb günstig für das Pflanzenwachstum“, weiß die Fachfrau. „Heilpflanzen wie Johanniskraut für Arzneien wurden aus Wildpflanzen gewonnen. Erst in den 1980er Jahren begann man, die Wildpflanzen züchterisch zu bearbeiten.“

Unter Leitung von Dr. Frieder Morgner legte der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) 1994 auf dem Eichhof einen Arzneipflanzengarten mit 45 heimischen Arten an. Im Jahr darauf initiierte Morgner in Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Hersfeld vier öffentliche Besichtigungstermine. Bis heute finden diese kostenlosen Führungen regelmäßig ab Anfang Juni statt. 2005 wurde das erste Heilkräuterseminar angeboten, kurz darauf auch der Kochkurs „Gesunde und schmackhafte Gerichte mit Kräutern“, den die Trainerin für Gourmetköche, Waltraud Spill, leitete. „Die Seminare wurden sehr gut angenommen. Leider ist es uns aus personellen Gründen nicht mehr möglich, das Angebot fortzuführen“, bedauert Foltys.

Sie zupft an Schoko- und Hemingway-Minze und reibt leicht an Rosmarin- und Thymianblättchen in der Kräuterschnecke, schon duften ihre Finger nach mediterranen Gerichten.

Um das Hochbeet liegen helle Späne, die den Boden polstern wie ein Perserteppich. „Das ist Miscanthus, eine Pappelart“, erklärt die Fachgebietsleiterin. Das China-Schilf wird seit 2008 im Energiepflanzengarten angebaut und unter anderem als Alternative zu Mais für Biogasanlagen genutzt oder als Häcksel auf Gartenwegen, da es den Boden nicht übersäuert.

Hinter den Gewürzkräuterbeeten liegt der Schulgarten. „Schulklassen kommen oft hierher, dann dürfen die Kinder auch schon mal säen oder pflanzen“, schmunzelt Foltys, „damit sie die Pflanzen kennenlernen und sehen, was wie wächst.“ Der Schulgarten ist mit einem Staketenzaun eingefasst, alle anderen Beete sind beschriftet und zum Ansehen jederzeit zugänglich.

Die kostenlosen Führungen finden statt am 5. Juni um 15 Uhr, am 27. Juni um 15.30 Uhr, am 10. Juli um 15 Uhr und am 25. Juli um 15.30 Uhr.

Kontakt: www.llh.hessen.de

Von Dagmar Urban

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