Buntes Spektakel überzeugt aber nur zum Teil

Komödie der Irrungen: Ein Fest fürs Auge

Schaurig aktuell: Die in Schwarz gekleideten Religionswächter, die den Emir (Mathieu Carrière, Mitte) in der „Komödie der Irrungen“ begleiten. Im Hintergrund Lara Mandoki, Valentina Jiménez Torres und Ute Reiber als Töchter der Freude (von links). Foto: Landsiedel

Bad Hersfeld. Schein und Sein, Zauberei, Faszination, Tricks und Täuschung: In eine Welt der Illusionen entführt der Zirkus das Publikum, und im Theater ist es mitunter ähnlich. Die Erwartungen an die „Komödie der Irrungen“, inszeniert von Intendant Dieter Wedel, waren hoch.

„Jedermann erwartet ein Fest“, sagt im Stück auch der Zirkusdirektor Hakam (Robert Joseph Bartl). Ein buntes Fest mit opulenten Bildern und schönen Kostümen, feinen Einfällen und Höhepunkten war es allemal – das allerdings nicht jeden Premieren-Gast vollends überzeugte.

Lebendiges Spiel

Im Mittelpunkt steht das muntere Verwirrspiel um zwei Zwillingspaare, hinzu kommt der beinahe tragische Zwist zweier Schwestern, die scheinbar den selben Mann lieben. Wedel hat das Shakespeare-Stück erweitert und im Zirkus verortet. Dass in dem bunten Spektakel der Wortwitz und die Idee des Ursprungs-Stücks nicht völlig verloren gehen, liegt auch an der Leistung der Hauptdarsteller, die die Charakteristika der Shakespeare-Komödien wie Verwechslung und Verkleidung sowie das Spiel zwischen Mann und Frau lebendig und verständlich auf die Bühne bringen.

Christian Schmidt in der Doppelrolle des Antipholus, einer aus Sewastopol, einer aus Ephesus, sticht heraus, vor allem wenn man bedenkt, dass er den Part erst eine Woche vor der Premiere übernommen hat. Lars Rudolph, ebenfalls in einer Doppelrolle des Dromio aus Sewastopol und aus Ephesus, überzeugt als wortgewandter Diener und clownesker Prügelknabe.

TV-Star Sonja Kirchberger überrascht so manchen als verführerische Köchin Emmelina – ihrer ersten komischen Bühnenrolle, wie sie selbst sagt. Im Gedächtnis bleibt auch Rudolf Krause als Goldschmied Balthasar.

Cosma Shiva Hagen und Teresa Rizos haben als ungleiche, aber eng verbundene Schwestern nicht jeden im Publikum berührt. Heinz Hoenig und Mathieu Carrière bleibt nicht viel Raum, um ihr Können zu präsentieren; das gilt auch für andere bekannte Darsteller wie Stefan Reck oder Markus Majowski.

Ein besonderes Lob gilt den herausragenden Bühnenmusikern Matthias Trippner, Lukas Fröhlich und Christian Gerber, die mit ihren Instrumenten dem Geschehen auf der Bühne die passende Stimmung verleihen. Für sie gab es verdient extralauten Applaus.

Aktuelle Themen lassen sich in dem an sich eher seichten Stück dennoch finden: Der Konflikt zwischen den Religionen, Herrschaft und Macht, Werte und Moral, Spiegelstrafen, Zwangsheirat oder die Suche nach dem Selbst („Wer bin ich eigentlich?“). Die den Emir begleitenden, schwer bewaffneten und in Schwarz gekleideten Religionswächter lassen einem einen Schauer über den Rücken laufen. Wie stellt auch der Zirkusdirektor fest: Der Mensch ist eine größere Bestie als jedes Raubtier.

Zahlreiche Prominente auf dem roten Teppich zur Festspieleröffnung

Tonprobleme

Schade waren die Tonprobleme gegen Ende der Aufführung. Der ganze Raum der Ruine wird allenfalls im Ansatz genutzt.

Aber wie fragt auch Dromio: Wer – oder was – ist schon einmalig? Einmalig ist die Wedelsche Inszenierung als „Mischung aus Shakespeare, Goethe und Wedel“, vielleicht nicht, aber auf jeden Fall sehenswert.

Beim minutenlangen Schluss-Applaus erhoben sich viele Zuschauer von ihren Stühlen, im Vergleich blieb dieser jedoch eher verhalten.

Die „Komödie der Irrungen“ bietet gute Unterhaltung, mit etwas Luft nach oben für die weiteren Stücke der 65. Bad Hersfelder Festspiele.

Von Nadine Maaz

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