Alfred Fliege gehört mit seiner Schaustellerbude seit 70 Jahren fix zu Lolls und wird weiter gebraucht

Ein Fest für alle Naschkätzchen

Drei echte Naschkätzchen: Die Schausteller-Geschwister Monika und Stefan sowie Vater Alfred Fliege aus Fuldatal. Die Familie ist bereits seit 1946 auf dem Lullusfest vertreten. Foto: Schmidt

Bad Hersfeld. 1946 wurde in Amerika der Mikrowellenherd erfunden. Es gab noch keine Langspielplatten, keine Computer und keine Kreditkarten. Aber die Schausteller-Familie Fliege war mit ihrem Naschkätzchen erstmals auf dem Lullusfest vertreten. Seit 70 Jahren ununterbrochen dabei: Vater Alfred.

„Bad Hersfeld ist immer absolute Spitze und mit großem Abstand unsere wichtigste Veranstaltung“, sagt der mittlerweile 82-Jährige. Auf 16 Festen verkaufen die Flieges in Niedersachsen und Hessen jedes Jahr ihre einzigartigen Süßwaren. Den Namen Naschkätzchen haben sie schon vor Jahrzehnten schützen lassen. Alfreds Mutter Vera hatte die Marke kreiert.

„Angefangen haben wir mit unserem cremigen Eis. Wir haben Kunden, die kommen seit 50 Jahren immer wieder zu uns“, sagt der gebürtige Berliner voller Stolz. Länger als die Flieges ist beim Lullusfest niemand dabei. Vater Alfred weiß noch genau um den Charme der Anfangsjahre. Nach dem Krieg habe es zunächst kaum Fahrgeschäfte gegeben. Nicht zu vergleichen mit dem Rummel von heute. Das machte sich auch neben dem Platz bemerkbar.

Anfangs fehlten Leitungen

„Wir konnten damals den Wohnwagen direkt hinter dem Stand parken. Jetzt übernachten wir wie die anderen auf dem Platz neben der Geis“, sagt das Urgestein. Feste Wasserleitungen waren anfangs ebenfalls nicht vorhanden. Und zur Toilette ging man in benachbarte Restaurants.

Vanille, Erdbeere, Schokolade, Nuss – mit diesen vier Geschmacksrichtungen fing 1946 alles an. Schon als Zwölfjähriger half Alfred seinen Eltern fleißig. „Mein Manko ist, dass ich eher introvertiert bin. Also war ich stets an der Herstellung beteiligt, weniger am Verkauf“, macht der immer noch aktive Tennisspieler deutlich. Seit 1957 ist er selbstständig als Schausteller tätig. In den 1960er- und 70er-Jahren wurde das Sortiment um Popcorn und anschließend Mandeln erweitert. Später kamen dann zum Beispiel die heute so beliebten Schokofrüchte hinzu. Fast alles wird täglich frisch im Schaustellerwagen hergestellt.

Teure Spezialmaschine ohne Gas

Natürlich auch gebrannte Mandeln. Diese kommen aus einer teuren Spezialmaschine, die sich die Familie zulegen musste. Schuld daran ist eine Gasflasche, die bei einem anderen Betreiber für Panik unter den Besuchern in Süddeutschland gesorgt hatte. Da der feste Platz vom Naschkätzchen in Bad Hersfeld unmittelbar an ein Wohnhaus grenzt, ist Gas nun verboten.

Neben seiner Frau Ursula und den Kindern Stefan und Monika zählen sechs Mitarbeiter zum Team des Naschkätzchens. Vater Alfred möchte noch lange dabei sein: „Bei aller Bescheidenheit: Die brauchen mich auch“, sagt der 82-Jährige augenzwinkernd und zaubert in Sekunden cremiges Vanilleeis in eine Waffel.

Von Sebastian Schmidt

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