Konzert auf hohem künstlerischen Niveau zum Holocaust-Gedenktag im Bachhaus

Fesselnde Gefühlsintensität

Mathias Johansen (Violoncello)

Bad Hersfeld. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts veranstaltete die Musische Bildungsstätte ein Kammerkonzert mit Werken für Viola und Violoncello auf einem ungewöhnlich hohen künstlerischen Niveau. Sara Kim (Viola) und Mathias Johansen (Violoncello), Stipendiaten der deutschen Stiftung „Musikleben“, spielten auf historischen Instrumenten.

Das musikalische Programm begann mit einer Sonate für Viola und Violoncello von Luigi Boccherini. Meisterhaft und elegant konzertierten Sara Kim und Mathias Johansen.

Im Anschluss erläuterte Werner Schnitzlein, Vorsitzender der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Hersfeld-Rotenburg, Wissenswertes über die Entstehung des Gedenktages und wies darauf hin, dass die Christlich-Jüdische Gesellschaft den Fokus in diesem Jahr besonders auf die evangelische Kirche gerichtet habe.

Die anschließende Chaconne aus der Partita für Violine solo von Johann Sebastian Bach ist für Geiger das Maß aller Dinge. Ganze 256 Takte lang ist sie – für den Einzelsatz eines Solowerks eine monumentale, alle Dimensionen sprengende Länge. Kaum eine Musik ist so „pur“, stellt so große Anforderungen an das Konzentrationsvermögen –und zwar an das von Spielern wie Zuhörern. Mit diesem Satz bewies sich Sara Kim als Meisterin ihres Fachs. Sie spielte mit einem warmen Ton, atemberaubender Technik und makelloser Intonation.

Die folgende Sonate für Violoncello von György Ligeti klingt wie ein Requiem für die Opfer des Holocaust. Mathias Johansen ließ sein Instrument schwermütig, melancholisch, meditativ, aber schwungvoll bei Volksmusikzitaten erklingen.

Ein weiteres Werk eines zeitgenössischen Komponisten waren die „Drei Fragmente op. 134“ des 1931 geborenen litauischen Komponisten Vytautas Barkauskas, wiederum hervorragend interpretiert von Mathias Johansen.

Nach der Pause erinnerte Werner Schnitzlein an das Kunstprojekt „Stolpersteine“ von Gunter Demnik.

Das Prélude aus der Suite für Violoncello solo BWV 1011 von Johann Sebastian Bach gehört heute zu den meistgespielten Kompositionen für ein solistisches Streichinstrument. Es stellt hohe Anforderungen, steht für höchste Virtuosität. Bei wunderschönem Ton und mit feiner Sensibilität sann Johansen gleichsam dem Ideenstrom der Komposition nach.

Sowohl Meditativität als auch Virtuosität kennzeichnen das „Capriccio“ für Viola solo des belgischen Komponisten und Violinisten Henry Vieuxtemps. Mit Bravour und großem Einfühlungsvermögen spielte Sara Kim diesen Klassikgenuss, der in eine zum Dahinschmelzen schöne Ergriffenheit mündete.

Mit dem Duo Es-Dur für zwei obligate Augengläser für Violine und Violoncello von Ludwig van Beethoven endete ein Konzert das in den Bann zog und eintauchen ließ in eine teils dramatisch anschwellende Musik, die Viola und Violoncello in den ergreifenden Tiefen besonders zur Geltung kommen ließ.

Beide Künstler verwöhnten die Klassikliebhaber mit exzellentem Spiel und fesselnder Gefühlsintensität, sodass eine Zugabe nicht fehlen durfte.

Von Eva Naumann

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