Heinrich Schütz und Zeitgenossen mit dem Festspielchor unter Siegfried Heinrich

Ferne Musik rückt nahe

Viele Sänger, wenige Instrumentalisten: Prof. Siegfried Heinrich, der Festspielchor sowie Vokal- und Instrumentalsolisten führten in der Stadthalle Werke vornehmlich von Heinrich Schütz auf. Die etwa 250 Zuhörer spendeten ausgiebig Beifall. Foto: nh

Bad Hersfeld. Obwohl musikalisch in Italien, in Venedig bei Giovanni Gabrieli, ausgebildet, ist das Werk Heinrich Schützens (1585-1672) beinahe ganz im Geist der Reformation Martin Luthers gehalten. Es heute aufzuführen, erfordert das Eintauchen in eine uns ferne musikalische Welt. Sie zugänglich zu machen, ist eine ebenso heikle wie lohnende Aufgabe.

In die „Musik zur Weihnachtszeit“ am Samstag floss viel ein an historisch informierter Aufführungspraxis. Prof. Siegfried Heinrich hat sie sich über Jahrzehnte erworben und schöpft überaus zugriffssicher, mit klarer Disposition und sensibler Affektsetzung aus diesem Fundus. Er weiß, dass die Alte Musik ein hohes Spezialistentum erfordert. Genau genommen sogar einen vorzüglichen Knabenchor, wie ihn Schütz in Dresden ja hatte. Doch macht hier der groß besetzte Hersfelder Festspielchor (samt Nebenabteilungen) das lebhafte, gar forsche Knabenchor-Panorama wett - mit weiträumiger, tragfähiger, pointierter Ausbreitung der vokalen Schätze und mit schönen solistischen Einsprengseln.

Opernpreisträgerin

Was eine ihrer Mittel sichere, mit reicher Klangemission begabte, dazu die Sprache zu ihrem Recht bringende Solostimme wert ist, zeigt die Altistin und aktuelle Hersfelder Opernpreisträgerin Barbara Buffy. Wohltönend und zart schwebend, wenn auch nicht so suggestiv und podiumspräsent die beiden Sopranistinnen Julie Grutzka und Eva Savci-Janssen, ebenfalls als Engelsstimmen. Markus Schmid (Tenor) ist ein geradliniger, farbneutraler Erzähler-Evangelist und Florian Dengler ein unauffällig guter Bass-Solist.

Heinrich Schütz hatte sich die in seinem 80. Lebensjahr vollendete „Historia Der Freuden- und Gnadenreichen Geburth Gottes und Marien Sohnes, Jesu Christi“ SWV 435 als szenisches Krippenspiel gedacht. Das hat natürlich in der nüchternen Stadthalle keinen Platz, Schwerer wiegt der akustische Nachteil, der die berühmten Fern- und Echowirkungen der venezianischen Mehrchörigkeit total vereitelt. Eine Wonne dagegen das gesamte zehnteilige Programm, das um die „Weihnachtshistorie“ weitere passende Schütz-Gesänge aus den „Symphoniae sacrae“, den „Psalmen Davids“ und den „Kleinen geistlichen Konzerten“ gruppierte und dieses Schütz-Zentrum durch mehrchörige Beispiele unter anderem von Gabrieli, Giovanni Croce und Samuel Scheidt ergänzte. Dabei nicht zu vergessen die kundigen Instrumentalisten (Violine, Viola, Blockflöte, Basso continuo) der Virtuosi Brunenses sowie Jens Amend und Markus Fischer mit diskretem Fingerspitzengefühl an den beiden Orgelpositiven. Artikel links

Von Siegfried Weyh

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