250 Dinge, die wir an der Region mögen (57): Die Burgruine Hauneck

Fenster zur anderen Welt

Fenster in eine Welt der Märchen und Legenden in der Burgruine Hauneck. Foto: Desoi

Hauneck. Die Ruine zeigt heute nur noch die Reste der einst stolzen Burg, die man sich doppelt bis drei Mal so hoch vorstellen muss. Rechts neben dem Tor ist ein Ausguck, damit der Tormeister sehen konnte, was Ankömmlinge im Schilde führten. Tatsächlich hatte jeder Ritter und Kämpfer durch sein Wappen seine Absichten zu erkennen zu geben. Es wurde sozusagen mit offenem Visier gekämpft. Und mit geschlossenem nur nach Ankündigung.

Dass es eine solche Ritterehre nicht nur in Märchen gibt, bewies der Ritter Simon von Hune, der mit seinen Gefolgsleuten auf der Burg einst hauste. Erzogen im Sinne der hohen Minne, die man heute wohl mit „Sportlichkeit“ und „Fairness“ am besten beschreiben kann, wurde er in einen Konflikt zwischen dem Landgrafen von Hessen und dem Erzbistum Mainz hineingezogen, der in der Vitalisnacht eskalierte.

In ihr plante der Hersfelder Abt Berthold von Vökershausen im Auftrag des Erzbistums Mainz einen nächtlichen Überfall auf die eigene Hersfelder Bevölkerung, die Selbstständigkeit beanspruchte. Anstatt sich wie ein Dieb nachts über die Stadtmauern zu schleichen, kündigte Ritter Simon von Hune den Überfall in einem berühmten Fehdebrief an die Stadt an. Diese wappnete sich und konnte den Angriff so zurückschlagen.

In zahlreichen Märchen greifen Romantiker wie die Brüder Grimm im 19. Jahrhundert diese Epoche der stolzen Ritter und Burgen auf und berichten von einer „Zeit, in der das Wünschen noch geholfen hat“. Ihre Kinder- und Hausmärchen verbreiteten sich von Hessen aus rund um die Welt. Selbst in Japan und Lateinamerika erfährt man so heute von deutschen Prinzessinnen, Schlössern, Burgen und ihren sagenumwobenen Bewohnern. Was davon reiner Mythos und was davon belegbar ist, regt die menschliche Phantasie an.

So kann man wunderbar die Seele baumeln lassen inmitten geschichtsträchtiger Gemäuer und einem Blick vom Turm in die weite Welt.

Von Oliver Desoi

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