Tag der deutschen Einheit im Bach-Haus

Feiertag für Orgelfreunde

Bad Hersfeld. Der Arbeitskreis für Musik und die Musische Bildungsstätte Bad Hersfeld wissen mit dem Nationalfeiertag das Rechte anzufangen. Bald nach der Einweihung des Johann-Sebastian-Bach-Hauses 2004 terminierten sie dort jährlich am 3. Oktober ein qualitätsvolles Orgelkonzert.

Sie thematisieren daneben in kurzen Wortbeiträgen die deutsche Einheit, vergessen mit liturgischen Elementen nicht den christlichen Bezug und würdigen sogar die Städtepartnerschaft Bad Hersfeld-Bad Salzungen.

So warb diesmal Günter Exner vom Bad Hersfelder Magistrat um Aufmerksamkeit für das Einheitsstreben über den Tag hinaus. Friedrich Krauser, stellvertretender Landrat des Wartburgkreises, fügte hinzu, Einheit und Freiheit zu begreifen sei das eine, sie auszuhalten das andere. Pfarrer Johann-Friedrich Enke von der evangelischen Kirchengemeinde Bad Salzungen beleuchtete anschaulich und sehr persönlich Episoden der deutschen Teilung aus dem Werraraum und teilte sich mit Pfarrer Bernhard Schiller (katholische St.-Lullus-Sturmius-Gemeinde Bad Hersfeld) ins liturgische Amt.

Wie es sich für diesen Ort gehört, galt das Hauptinteresse der knapp 100 Besucher der Orgelmusik und ihrem Interpreten Jens Amend. Der junge Kantor aus Homberg (Ohm) ist immer wieder gern gehörter Gast an der Bachorgel. Auch diesmal erwies er sich als frappierend kompletter Spieler, der per Manual und Pedal das Gleisnetz der Orgelbetätigung vielschichtig-einsichtig knüpft.

Filigrane Auslegung

Bei aller spieltechnischen Gewandtheit in zügigen Tempi hatte besonders Amends Bach-Auslegung – hier das Concerto a-Moll BWV 593 nach Vivaldi und mehr noch Präludium und Fuge D-Dur BWV 532 – viel Filigran in puncto Registrierung, Artikulation und Phrasierung.

Weitere Beweisstücke waren zuvor Buxtehudes Präludium fis-Moll BuxWV 146, Mendelssohns Präludium mit Fuge c-Moll op. 37 Nr. 1 und die Choralbearbeitung „Vater unser im Himmelreich“ des barocken Musikjubilars Georg Böhm (350. Geburtsjahr). Allenthalben Applaus.

Von Siegfried Weyh

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