Es fehlt an fast allem

Hanna Wagener hilft nach dem Abitur als Freiwillige in einem Waisenheim in Kenia, wo es an allem fehlt. Sie bittet um die Unterstützung der Leser der Hersfelder Zeitung.

Hanna Wagener arbeitet als Freiwillige im Sidai Children Rehabilitation Center, Kenia

Nun bin ich also hier in Kenia. Schon seit mehr als einem Jahr habe ich mich intensiv auf diese Zeit vorbereitet. Ich arbeite seit Ende August in einem Waisenheim mit etwa 60 Kindern. Die meisten Kinder haben keine Familien mehr oder die Familien können sich aus verschiedensten Gründen nicht mehr um das Kind kümmern.

Zu meinen Aufgaben gehört es, mich um die Kinder zu kümmern, beim Kochen zu helfen, mit ihnen zu spielen, sie zur Schule zu begleiten und gelegentlich auch selbst zu unterrichten.

Das Heim ist ziemlich klein und heruntergekommen. Daher ist das ganze Projekt gerade dabei, einem Umzug in ein größeres und schöneres Heim zu organisieren. Doch in dem neuen Heim fehlt es noch an so ziemlich allem. Es gibt noch keine Elektrizität, nicht genügend Betten, Tische, Stühle, und so weiter. Dabei ist ein neues Bett schon für umgerechnet zehn Euro zu bekommen.

Eineinhalb Stunden laufen

Alles in allem sieht es also noch ziemlich leer aus. Daher ist bislang nur ein Teil der Kinder dort, die auch in Kibiko (wo das neue Heim entsteht) zur Schule gehen. Die Kinder müssen jeden Tag eineinhalb Stunden zur Schule laufen. Das Kinderheim kämpft schon mit der Bezahlung des Schulgelds und kann sich weder einen Bus leisten noch die Fahrkarten bezahlen. Bänke und Tische fehlen Die restlichen und jüngsten Kinder sind noch im alten Heim. Mit den kleinen Kindern beschäftige ich mich zurzeit am meisten. Die Kinder gehen täglich in eine Schule, die sich im Slum von Ngong befindet und so ganz anders ist als alles, was wir aus Deutschland kennen.

Es ist eine kleine Wellblechhütte, in der nicht jedes Kind genug Platz zum Schreiben findet, da es auch hier an Bänken und Tischen fehlt. Eine meiner Hauptaufgaben besteht darin, jeden Tag für diese Kinder zu kochen, mit ihnen zu spielen und sie dann wieder ins Heim zu bringen. Neben unseren Kindern aus dem Heim kommen auch noch ein paar Kinder aus dem Slum und ein paar Straßenjungen zum Unterricht. Insgesamt sind es 16 Kinder, die mit Essen versorgt werden müssen.

Auch wenn die Verständigung manchmal schwierig ist, haben die Kinder Hanna richtig gern.

Dem Projekt fehlt es leider an allen Ecken an Geld. Das sieht man nicht nur an der Kleidung der Kinder, sondern auch an ihrer mangelnden Hygiene. Als ich die Kinder und das Heim das erste Mal gesehen habe, war ich wirklich geschockt. Hätte man die Kinder auf einer Straße in Deutschland gesehen, hätte es bestimmt nicht lange gedauert, bis Passanten die Polizei oder das Jugendamt alarmiert hätten. Die Umstände hier sind wirklich katastrophal. Müll liegt nicht nur im Projekt, sondern einfach überall rum. Wird es irgendwann zu viel, wird er einfach verbrannt. Im Heim riecht es unangenehm und die Kinder haben keinen Platz zum Spielen. Es ist kein Geld für Mitarbeiter da, was für die Kinder bedeutet, dass sie noch mehr mithelfen müssen. Sie waschen, putzen, kochen - und das mit sieben Jahren!

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