Wie Mitarbeiter des Tierheims für ihre Schützlinge kämpfen

Es fehlt an allen Ecken und Kanten

Hilfe nötig: Michael Roth (links) mit Tierheim-Mitarbeiter Thomas Schmidt, der mit der Arbeit kaum hinterher kommt. Foto: Rink

Bad HERSFELD. Seit der Öffnung des Bad Hersfelder Tierheims in der Friedloser Straße vor 45 Jahren hat sich viel getan. Erst im vergangenen Jahr wurde dank einer Erbschaft von Freunden des Vorsitzenden des Bad Hersfelder Tierschutzvereins, Winfried von Alpen, eine Renovierung des Tierheims möglich .

„Die Fundamente mussten neu gemacht werden, weil große Teile marode waren, die Quarantänestation wurde neu ausgestattet und einige Räume für die Tierunterbringung saniert. Auch eine Tierpension, die gerade jetzt über die Ferien gut läuft, ist eingerichtet worden. Das ist kostspielig und wäre ohne die Erbschaft nicht realisierbar gewesen“, berichtet von Alpen, der auf 25 Jahre Erfahrung als Vorsitzender zurückblicken kann.

Und genau das ist das Problem dieses und anderer Tierheime, die einem privaten Verein angehören. „Die öffentlichen Gelder der Kommunen und des Landes fehlen, Spenden und Mitgliederbeiträge reichen nicht aus“, beklagt von Alpen.

Aus diesem Grund war Michael Roth, Bundestagsabgeordneter der SPD, am Freitag vor Ort, um sich über die finanzielle Lage und die baulichen Veränderungen des Tierheims zu informieren. Roth setzt sich seit vielen Jahren für den Tierschutz ein, betonte von Alpen. Der Abgeordnete habe schon viele öffentliche Gelder für die Fertigstellung von Räumen für abgegebene, ausgesetzte oder verletzte Tiere organisieren können.

Roths Forderung: Kommunen sollten für die Finanzierung aufkommen und private Verbände unterstützt werden. „Denn sie übernehmen die Pflicht der Städte und Gemeinden verwahrloste Tiere aufzunehmen“, erklärte er. „Mit zwischen 12 und 25 Cent pro Kopf in einer Gemeinde oder Stadt kann nicht viel gemacht werden und es wäre gut, wenn bei den Vertragsverhandlungen in zwei Jahren der Betrag auf einen Euro steigen würde.“

Und so folgt ein weiteres Problem. Da das Tierheim nicht staatlich organisiert sei, müsse der Verein mit Privatvermögen für Unfälle und Schäden haften.

Deshalb ist es auch schwierig die Öffnungszeiten zu verlängern. „Uns fehlen einfach die Mitarbeiter und heutzutage scheint ehrenamtliche Arbeit in Tierheimen, bei der Verantwortung übernommen werden muss, nicht wahrgenommen zu werden. Wir kommen mit der Arbeit zeitlich nicht mehr hinterher“, kritisiert von Alpen.

Ein Teufelskreis, aus dem man nicht herauskommt, denn die Zahl der abgegebenen Tier steigt. Immerhin sechzig Prozent der Tiere könnten aber vermittelt werden.

„Wir müssen pro Jahr für eine Katze etwa 2500 Euro und für einen großen Hund über 3000 Euro ausgeben und das ist mit der derzeitigen Finanzierung kaum zu bewerkstelligen“, sagt er weiter. Hinzu käme, dass weitere Kosten für „Kampfhunde“ entstehen, die abgegeben werden, weil diese aus gesetzlichen Gründen für viele überforderte Halter zu teuer sind.

Um den Tieren auch Lebensqualität zu bieten, soll medizinisch zumindest die Grundversorgung gewährleistet sein. Denn es sind nicht nur Haustiere, die gefunden werden. Auch verletzte Wildtiere päppeln die Mitarbeiter des Tierheims wieder auf, bis sie später wieder in die Freiheit entlassen zuwerden. Haustiere werden in 60 Prozent der Fälle vermittelt.

Von Annelie Rink

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