Jusos diskutieren über befristete Beschäftigung

„Fehlentwicklung verhindern“

Diskutierten: Tabea Heipel (Vorsitzende der Jusos Hersfeld-Rotenburg), Oliver Schmolinski (stellvertretender Bezirksvorsitzender der Jusos Hessen-Nord), Tobias Heipel (Vorsitzender der JAV beim Kreisausschuss des Landkreises), Daniela Suttner (Fachbereichssekretärin bei ver.di), Stefan Menz (Rechtssekretär bei ver.di) und Jens Weißgerber (betroffener Arbeitnehmer). Foto: nh

Hersfeld-rotenburg. Unter dem Motto „Dürfen die das?“ haben die Jungsozialisten (Jusos) aus Hersfeld-Rotenburg bei einen öffentlichen Informationsabend über Arbeitsrecht beziehungsweise befristete Beschäftigunsverhältnisse diskutiert.

Zahlreiche Gäste sprachen unter anderem mit ver.di-Rechtssekretär Stefan Menz sowie Vertretern örtlicher Betriebsräte, Jugend- und Auszubildendenvertretungen und betroffenen Arbeitnehmern. Im Vordergrund standen dabei die rechtlichen Rahmenbedingungen, sowie die Erfahrungen in der täglichen Arbeit der Personalvertretungen. Dabei seien „erhebliche Fehlentwicklungen auf dem Arbeitsmarkt“ und neue Herausforderungen, die zu bewältigen sind, sichtbar geworden.

Druck auf Arbeitnehmer

So nehmen zeitlich befristete Arbeitsverhältnisse deutlich zu. Häufig würden diese ohne Sachgrund abgeschlossen und durch Einstellungen bei diversen Tochterfirmen so lange wie möglich gehalten. „Es gibt für den Arbeitgeber die Möglichkeit, mit Sachgrund zu befristen, zum Beispiel bei Saisonarbeit oder Schwangerschaftsvertretung, und die Probezeit von sechs Monaten zu nutzen, um herauszufinden, ob ein Arbeitnehmer wirklich zum Unternehmen passt“, erklärte Stefan Menz. Sachgrundlose Befristung, die bis zur Dauer von zwei Jahren möglich ist, hingegen habe vor allem den Zweck, möglichst viel Druck auf die Arbeitnehmer auszuüben, so Menz. Hinzu komme die Ausweitung von prekären Beschäftigungsverhältnissen durch Leiharbeit, Werkverträge, unbezahlte Praktika oder Beschäftigungen im Niedriglohnsektor. „Es ist Aufgabe der Politik, dies zu verhindern“, meinen die Jusos. Ohne eine aktive Arbeitsmarktpolitik drohe eine dauerhafte Spaltung des Arbeitsmarktes. Einerseits bestehe Fachkräftemangel, andererseits Langzeitarbeitslosigkeit sowie schlechte Arbeitsbedingungen.

Finanzielle Probleme

Für die Arbeitnehmer habe dies nicht nur finanzielle Probleme zur Folge, auch persönliche Entscheidungen, wie etwa die Familienplanung, würden negativ beeinflusst.

Nach Auffassung der Jusos muss eine steigende Beschäftigung nicht prekär und neue Jobs müssen nicht mit Dumpinglöhnen, Befristungen ohne Sachgrund, Leiharbeit oder erzwungener Teilzeitarbeit verbunden sein. Im Gegenteil: „Die Abwanderung gut qualifizierter Arbeitnehmer ist ein deutliches Zeichen, dass wir eine neue Ordnung für Arbeit brauchen“, so die Unterbezirksvorsitzende Tabea Heipel. (red/nm)

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