Im Fegefeuer der Eitelkeiten – meist heiter, aber nicht tödlich

Karl Schönholtz

Die Aktion „Bad Hersfeld liest ein Buch“ wird zum Politikum. Am vergangenen Montag hat der Magistrat die Entscheidung über Timur Vermes Bestseller „Er ist wieder da“ auf die nächste Sitzung vertagt – offenbar aus Empörung darüber, dass die Empfehlung der Auswahl-Jury zuvor schon in der Hersfelder Zeitung zu lesen war.

„Wir sind keine Abnicker“, sagte der indignierte Erste Stadtrat Dr. Rolf Göbel unserer Zeitung. Natürlich nicht. Es stellt sich aber die Frage, warum ein Procedere, das im vergangenen Jahr genauso und völlig problemlos ablief, plötzlich nicht mehr genehm ist. Auch ist kaum nachvollziehbar, dass erst eine sachkundige Jury (in der auch ein Vertreter des Magistrats sitzt) mit der Buchauswahl betraut wird und es der Magistrat nachher besser wissen will. Irgendwie beschleicht einen der Verdacht, dass es hier gar nicht um die Sache, sondern um die Empfindlichkeiten und Eitelkeiten einzelner älterer Herrschaften geht. Ob’s wohl daran liegt, dass der Bürgermeister derzeit im Urlaub weilt und der Erste Stadtrat das Sagen hat?

Keine Woche vergeht, ohne dass die Werrastadt Heringen irgendwelche Schlagzeilen liefert. War es jüngst die Diskussion um den vom Landkreis eingeforderten Betriebskostenzuschuss für das neue Ganzjahresbad, so geht es nun wieder um das wegen angeblicher Baufälligkeit im Jahre 2007 geschlossene alte Hallenbad. Die Stadt fordert 1,2 Millionen Euro Schadensersatz von den verantwortlichen Heringer Architekten. In erster Instanz hatte das ortsansässige Architekturbüro vor dem Landgericht Fulda obsiegt. Die Stadt ging in die zweite Instanz. Vor dem Oberlandesgericht Frankfurt – Verhandlungsort ist Kassel – wurde im Mai 2011 ein Vergleichsvorschlag unterbreitet, wonach die Stadt 375 000 Euro erhalten sollte.

Diesen lehnte die Versicherung der Architekten ab. Im Dezember 2012 wurde beiden Seiten durch das Gericht noch einmal derselbe Vergleich angeboten. Die Stadt nahm ihn wieder an, die Versicherung lehnte Ende Januar ab. „Sie ist wohl der Meinung, dass dieser Vergleich nicht in Ordnung ist“, erklärte eine Architektin des beklagten Büros.

Die Stadtverordneten nahmen ihn abermals trotz eines darin ausgewiesenen hohen Eigenanteils an den gesamten Verfahrenskosten von 75 Prozent sowie aller außergerichtlichen Kosten von 66 Prozent an. Jetzt warten die Stadtpolitiker mit Spannung auf das Urteil. Nicht wenige von ihnen befürchten, dass der Schuss in Sachen Schadensersatz komplett nach hinten losgehen könnte.

Unterdessen wird hinter den Kulissen hart um den Erhalt der Fern-Universität mit ihrer Außenstelle in Bad Hersfeld gekämpft – und rund 400 Studierende zittern mit, wie auch die Leserbriefe in unserer Zeitung zeigen. Im Kern geht es darum, wer mit wem kooperiert und wer an wen was bezahlt.

Die Fern-Uni in Hagen möchte Bad Hersfeld als Partner behalten, das Land Hessen indes favorisiert die Fachhochschule in Fulda, die wiederum Hagen gar nicht will. Mittendrin steckt auch die örtliche Mitarbeiterin der Fern-Uni, die verständlicherweise in Bad Hersfeld bleiben möchte, und deshalb mächtigen, aber nicht unbedingt hilfreichen Druck macht. Im Moment steht die Fern-Uni auf der Kippe. Hoffen wir, dass der Balanceakt zu unseren Gunsten ausgeht.

Offenbar lesen die Fernsehleute der ARD auch die Hersfelder Zeitung. „Zwischen den Zeilen“ heißt nämlich eine neue Serie, die – natürlich – in einer Lokalredaktion spielt! Wie im wirklichen Zeitungsleben kämpfen die Journalisten dort für eine bessere Welt. Doch auch wenn wir dabei schon mal harsche Kritik üben, die sicherlich manchmal wehtut – ganz so arg wie die Fernseh-Fuzzis treiben wir es nicht.

Der komplette Titel der Serie lautet nämlich: Heiter bis tödlich!

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