Bad Hersfelder Festspiele: In „Krabat“ spielen Profis und Jugendliche gleichberechtigt

Faszinierend unbekümmert

Verstehen sich gut auf der Bühne und im wirklichen Leben: Die Müllerburschen aus dem Familienstück Krabat. Unser Bild zeigt hinten (von links) Zeeschan Ilyas, Ahmad Al Ahmad und Nico Otto. In der Mitte (von links): Jakim Leipold, Jan Frederik Saure. Nicole Sydow, Michael Kashour und Diyar Ilhan. Vorne sitzen Stefan Brakowski, Leonard Schärf, Peter Englert und Anton Rubtsov, liegend Finn Schönholtz.

Bad Hersfeld. Vormittags Schule, nachmittags und abends Probe, ab 21 Uhr schnell noch die Hausaufgaben erledigt und morgens wieder in der Schule. Das Programm, das die Jugendlichen, die im Familienstück „Krabat“ die Müllerburschen spielen, in den Wochen vor der Premiere zu bewältigen hatten, war eine Herausforderung. Ohne Begeisterung, ohne Leidenschaft fürs Theater geht so etwas nicht.

Von dieser Leidenschaft bringen Nico Otto, Jan Frederik Saure, Jakim Leipold, Finn Schönholtz, Zeeshan Ilyas, Diyar Ilhan und Stefan Brakowski jede Menge mit. Ihre Augen strahlen, wenn sie lebhaft von den Proben erzählen, die zuletzt täglich stattfanden, und davon, wieviel Spaß es ihnen macht, bei den Festspielen auf der Bühne der Stiftsruine zu stehen.

Die meisten von ihnen haben bereits Theatererfahrung. Sie haben schon früher als Statisten mitgewirkt oder auch als Kleindarsteller bei den Sommernachtsträumereien im vergangenen Jahr. Auch Schultheater haben viele schon gespielt. Aber die Arbeit mit den Profis ist etwas Besonderes für sie.

Liebe und Aufmerksamkeit

„Wir haben ein sehr gutes Verhältnis“, findet Nico Otto und Jakim Leipold bestätigt: „Die Schauspieler haben uns gut aufgenommen und sind sehr freundlich zu uns.“ Anton Rubtsov, der die Titelrolle spielt lacht: „Ja es gab ganz viel Liebe und Aufmerksamkeit“, sagt er und wuschelt einem Jungen durch die Haare. „Wir haben sehr viel gelernt. Die Schauspieler haben uns ganz viele Tipps gegeben. Wir können hier alle viel mitnehmen“, erzählt Finn Schönholtz.

Für Peter Englert, der den Juro spielt, macht es keinen Unterschied, ob die Mitwirkenden Profis oder Laien sind. Ihm ist es wichtig, gemeinsam an einem Projekt zu arbeiten. „Das Faszinierende ist, dass ihr so unbekümmert seid“, sagt er zu den jungen Talenten.

Anton Rubtsov hat den Jugendlichen immer wieder vermittelt, wie wichtig es ist, in der Konzentration und in der Szene zu bleiben. „Dann funktioniert das von selbst“, ist er überzeugt.

Einige der Jungen sind jedenfalls so begeistert, dass sie sich überlegen, die Theaterleidenschaft zum Beruf zu machen. Die Erfahrung, dass Schauspieler selten finanzielle Sicherheit haben, machen sie jetzt schon. Einige der Müllerburschen haben keine Verträge erhalten und wissen auch nicht, ob sie überhaupt eine Gage für ihren Einsatz erhalten

Neben den Hersfelder Schülern spielen auch Flüchtlinge bei Krabat mit: Michael Kashour hat die Schauspielschule in Damaskus besucht, bevor er vor dem Bürgerkrieg fliehen musste. Seit acht Monaten ist er in Deutschland. „Ich bin sehr glücklich, wenn ich hier spiele. Sie sind alle sehr nett, aber die Sprache ist schwer“, erzählt er.

Ramadan und Proben

Auch Ahmed Al Ahmed freut sich, bei den Festspielen mitmachen zu können. „Ich habe neue Freunde gefunden und viel Spaß. Das ist einfach gut“, erzählt der syrische Lehrer. Es sei allerdings hart gewesen, die Regeln des Ramadan und die Anstrengung der Proben zusammenzubringen.

Für einige von den Kleindarstellern geht es übrigens gleich mit den nächsten Proben weiter. Die „Sommernachtsträumereien“ stehen ab Freitag, 15. Juli, wieder auf dem Spielplan.

Von Christine Zacharias

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