Verband rechnet mit weiterem Gaststättensterben

Fast jede zweite Kneipe auf dem Land macht zu

Hersfeld-Rotenburg. Die Gaststätte auf dem Land stirbt aus. Gab es 2002 noch 3000 Gaststätten, sind es zwölf Jahre später nur noch 1780. Diese Zahlen teilte der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Hessen mit. Die Prognose für die kommenden Jahre sieht nicht besser aus. Bis 2020 sollen laut Dehoga weitere 600 bis 700 Gaststätten schließen.

Regionale Zahlen für einzelne Landkreise weist die Statistik nicht aus. Waldhessens Dehoga-Vorsitzender Hanns-Karl Madelung bestätigt aber diese Entwicklung. Viele Gaststätten im Landkreis würden zwar noch als Nebenerwerbsgasthöfe betrieben, ihnen fehle aber der Nachwuchs.

Verändertes Ausgehverhalten, viel Konkurrenz durch Kirmes-, Vereins- und Dorffeste sowie bürokratische Auflagen und fehlender Nachwuchs – die Gründe für das Sterben von Kneipen und Gasthäusern bei uns auf dem Lande sind laut Madelung vielfältig. Eine Gastwirtschaft neben dem Beruf, das tue sich kaum einer mehr als zusätzliche Belastung an, sagt Madelungs Stellvertreter Karl Asbach. Die normale Gastronomie, wie sie früher war, habe ihre Daseinsberechtigung verloren, findet er. Fastfood-Essen und spektakuläre Aktionen hätten ihr den Rang abgelaufen. „Die Jugend will etwas erzählen können – aber nicht in die heimische Dorfkneipe gehen“, ist seine Beobachtung. Die Leute würden ihr Geld heutzutage anders ausgeben.

Zudem gebe es ein Überangebot an Volksfesten, das sich fast über das ganze Jahr erstrecke. Traurig findet Karl Asbach, dass mit jeder Wirtschaft, die im Ort stirbt, auch ein Stück Gemeinschaft und Lebensqualität verloren gehe.

Der demografische Wandel und die Landflucht sind laut Dehoga die Hauptprobleme. Laut einer Studie des Statistischen Landesamts Hessen könnte die Bevölkerungszahl, die derzeit schon rückläufig ist, in Hessen bis 2060 auf 4,9 Millionen Menschen fallen. Derzeit leben über 6 Millionen in Hessen. SEITE 2, ZUM TAGE, HINTERGRUND

Von Max Holscher und Peter Gottbehüt

Kommentare