Brutaler Überfall auf eine 87-Jährige in Rotenburg: Zweieinhalb Jahre Jugendstrafe

Fasern überführen den Täter

Bad Hersfeld. Es war eine „äußerst rohe Tat“, als am 28. Mai vergangenen Jahres in der Rotenburger Neustadt eine 87 Jahre alte Frau überfallen, zu Boden gerissen und gegen den Kopf getreten wurde. Das sagte am Donnerstag Richter Dr. Rolf Schwarz, Vorsitzender des Jugendschöffengerichts in Bad Hersfeld, nachdem ein 19-Jähriger aus Nentershausen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden war. In dieser Strafe sind allerdings anderthalb Jahre aus einem früheren Urteil enthalten.

Der spätabendliche Überfall nahe der Fuldabrücke geschah wohl vor dem Hintergrund der Drogenabhängigkeit des Angeklagten. Mutmaßlich war es ihm um die Handtasche der alten Dame gegangen. Weil diese aber schrie und Hilfe nahte, ließ der junge Mann von seinem Opfer ab und flüchtete ohne Beute. Die 87-Jährige hatte durch den Fußtritt einen Nasenbeinbruch, Hämatome und Prellungen erlitten.

Nur grob erinnert

Weil sich der seinerzeit alkoholisierte Angeklagte zunächst überhaupt nicht, im späteren Prozessverlauf auch nur grob erinnern konnte oder wollte, brachte die zweitägige Beweisaufnahme erst allmählich Licht ins Dunkel.

Letztlich war es ein Fasergutachten des Hessischen Landeskriminalamtes, das die Täterschaft des 19-Jährigen nahelegte: Faserspuren der Jacke des Opfers fanden sind an der Bekleidung des Angeklagten, wie auch umgekehrt. Eine zufällige Übertragung schloss die Sachverständige aus Wiesbaden vollkommen aus und bezeichnete es als unwahrscheinlich, dass identische Fasern von der Bekleidung eines unbekannten Dritten stammen könnten.

Die zuvor nicht absehbare Eindeutigkeit des Gutachtens bewog den Angeklagten schließlich zu dem Eingeständnis, dass er es wohl gewesen sein müsse. Dafür bat er um Entschuldigung.

Zuvor hatte sein Verteidiger, der Rotenburger Rechtsanwalt Christian Kusche, vermeintliche Schwachpunkte bei der polizeilichen Ermittlung herausgearbeitet. So war die Gegenüberstellung des Nentershäusers mit einem Tatzeugen eine Farce, weil es nur den späteren Angeklagten „zur Auswahl“ gab. Weiter bezweifelte Kusche die Rechtmäßigkeit der Sicherstellung der Bekleidung des 19-Jährigen, der sich nach seiner Festnahme in keiner Weise kooperativ gezeigt hatte.

Jetzt eine Perspektive

Um dem vielfach vorbestraften Heranwachsenden eine Perspektive durch eine überschaubare Strafe und sofort beginnende soziale Maßnahmen zu ermöglichen, verständigten sich Gericht, Verteidigung und Staatsanwältin Wajia Ayub auf das eingangs erwähnte Strafmaß. Andernfalls wäre der junge Mann möglicherweise in einer juristischen Warteschleife gelandet.

Von Karl Schönholtz

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