Wochenendporträt: Futuristisch und erotisch – Allan Hotzel stellt Bilder in Bebra aus

In Fantasiewelten entführt

Zurückhaltender Künstler: Der 30-jährige Allan Hotzel stellt im Foyer des Bebraer Rathauses Bilder aus. Sie zeigen überwiegend Figuren aus Phantasy-Geschichten, aber auch einen flotten Lamborghini-Sportwagen hat Hotzel gezeichnet. Fotos: Meyer

Bebra. Sie bilden einen eigentümlichen Kontrast, die Zeichnungen und ihr Schöpfer. Hier ein zurückhaltender 30-Jähriger mit Brille, Dreitagebart und brauner Jacke, dort Frauen in futuristischen Rüstungen oder erotischer Lederuniform, mit Schwert oder Maschinengewehr. Allan Hotzel stellt seine Bilder momentan im Foyer des Bebraer Rathauses aus.

Atemberaubend gut sind die Bleistiftzeichnungen: jede Schattierung so exakt, dass sich die Figuren dreidimensional aus der Ebene herauszulösen scheinen. Jedes Strukturmerkmal der Pupille zeigt das Bild einer jungen Frau vor einem Himmel voller Galaxien. Tränen schimmern in ihren Augen. Der Künstler: ein junger Mann aus Bebra, der als Werkzeugbauer im Schichtdienst beim Rotenburger Metallverarbeiter Tekfor arbeitet.

Auf Tapete gekritzelt

Rückblick: Die Grundschulkinder hatten bald raus, dass ihr Mitschüler Allan gut mit Stiften umgehen konnte, und freuten sich, wenn er ihnen ein Pferd malte. Allan bekritzelte als Kind die Tapete, fing im Alter von 14 an, mit dem Bleistift zu arbeiten. Mit dem Farbkasten kam er nicht zurecht.

Nie Zeichenkurs besucht

Hotzel hat nie einen Zeichenkurs besucht, aber immer an der Technik gefeilt und über der akribischen Arbeit oft die Zeit vergessen. Mit 20 war er an einem Punkt, wo „qualitativ keine Verbesserungen mehr kamen“. Weitergebracht hat ihn das Internet. In Foren von Zeichnern fand er unter anderem den Tipp, den Radiergummi mit dem Teppichmesser in winzige Streifen zu schneiden.

Im Netz stößt Hotzel auch auf Motive, die er immer im DIN-A4-Format ausdruckt und dann abzeichnet. Die meisten entstammen Computerspielen, Science-Fiction-Serien oder Phantasyfilmen wie „Der Herr der Ringe“ und entführen den Betrachter in Welten, in denen sich Elemente aus dem Mittelalter mit solchen aus technisch hochgerüsteten Zukunftsfantasien vermischen.

Die Texte, die die Bilder in der Ausstellung begleiten, lassen den Besucher ganz unvermittelt teilhaben an Hotzels Experimentierfreude. „Das Auto hat mich viel Geduld und Nerven gekostet, aber es hat sich am Ende gelohnt“, kommentiert Hotzel die Zeichnung eines rasenden Lamborghini-Sportwagens. Ob er schon mal an einer Aufgabe verzweifelt ist? Die Frage beantwortet Allan Hotzel selbstbewusst und dabei völlig glaubhaft: „Früher vielleicht. Heute mache ich mir eher Gedanken, wie lang das dauern wird.“

Öffnungszeiten: Die Ausstellung im Bebraer Rathaus dauert voraussichtlich noch bis zum 5. Oktober. Öffnungszeiten sind von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und außerdem montags und donnerstags von 8 bis 16 Uhr.

Mehr Bilder von Allan Hotzel finden sich im Internet: www.silentdeath007.deviantart.com

Von Achim Meyer

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