250 Dinge an der Region, die wir mögen (90): Schnuddel-Eck im Hessen-Stadion

Fan-Kurve im Miniformat

Wie ein Feldherrnhügel: Das „Schnuddel-Eck“ im Stadion an der Oberau ist eine Kultstätte der Hersfelder Fußballfans. Foto: Eyert

BAD HERSFELD. Links neben der Haupttribüne im Bad Hersfelder Stadion „An der Oberau“ ist beim Umbau in den 70er-Jahren ein etwa 25 Meter breiter und zwei Meter hoher Erdwall aufgeschüttet worden, der aussieht wie ein Feldherrnhügel. Die Rede ist vom „Schnuddel-Eck“ der SG Hessen Hersfeld. Bei Heimspielen der Hersfelder Fußballer herrscht hier schon seit Jahrzehnten eine Atmosphäre zum Anfassen. Es ist egal, in welcher Liga die Hersfelder Hessen spielen – das „Schnuddel-Eck“ ist eine Art Kultststätte bei den Anhängern des mittlerweile 102-jährigen Traditionsvereins. Wobei das richtige „Schnuddel-Eck“ ein bisschen näher eingegrenzt werden kann. Es ist nämlich, genauer betrachtet, die rechte Kante dieses Feldherrnhügels zur Tribüne hin.

Sonderstellung

„Schnuddel-Eck“ heißt es deswegen, weil hier nach Herzenslust „geschnuddelt“ wird. Hier wird eben geredet, wie dem Hersfelder Fan gerade der Schnabel gewachsen ist. Das „Schnuddel-Eck“ ist eine Südtribüne der Amateure, eine Fankurve im Miniformat. Davon gibt es zwar einige auf den Fußballplätzen im Kreisgebiet, aber das „Schnuddel-Eck“ nimmt unter diesen eine besondere Stellung ein.

Duft von Bier und Bratwurst

Hier duftet es nicht nur nach Bier und Bratwürstchen, hier brodelt auch die Gerüchteküche um Spieler und oft auch um die Trainer. Und manchmal kocht der Volkszorn über, wenn der Schiedsrichter mal wieder – aus Sicht der Fans – die falsche Entscheidung getroffen hat. Oft ist die Atmosphäre angeheizt. Und giftig. Gerade was den Mann in Schwarz angeht. Aber am besten sind die Sprüche im „Schnuddel-Eck“. Kleine Kostprobe gefällig? Zum Beispiel: „Guck mal, wie der Schiri sich bewegt! Das weißte genau – der pfeift gleich gegen uns“ (nach zwei Minuten Spielzeit). „Hey Schiri – da musste mal deine Pfeife in der Hand nehmen.“ Oder auch gegenüber Spielern: „Der xy steht doch nur darum. Seitdem feststeht, dass der wechselt, läuft der keinen Schritt mehr.“ Wenn der „xy“ dann aber noch das entscheidende Tor zum Sieg schießt, dann wird so kommentiert: „Und ich hab’s doch gewusst...“ Selbst bei den Spielern des Gegners, vor allem in Derbys, gehört es zum Kult, vor dem „Schnuddel-Eck“ die Blutgrätsche auszufahren, um sich dann hämische Kommentare einzufangen. Sollten tatsächlich die Pläne, das Hessen-Stadion umzubauen, irgendwann in die Realität umgesetzt werden, steht eines fest: Das „Schnuddel-Eck“ muss bleiben – Kult ist eben Kult.

Von Hartmut Wenzel

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