Einbrüche in Hersfelder Arztpraxen. Zwei Jahre und drei Monate für 23-Jährigen

Mit Familie auf Diebestour

Bad Hersfeld. Mit der ganzen Familie ging ein 23 Jahre alter Libanese aus dem Kreisgebiet im April dieses Jahres auf Einbruchstour. Während Papa nächtens in Aztpraxen im Bad Hersfelder Stadtgebiet einstieg, warteten draußen seine damalige Lebensgefährtin und der gemeinsame dreijährige Sohn im Auto.

Wegen sechsfachen gewerbsmäßigen Einbruchsdiebstahls und einfachem Diebstahl verurteilte das Schöffengericht Bad Hersfeld den mehrfach vorbelasteten Angeklagten zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe. Seine ebenfalls 23 Jahre alte Ex-Freundin erhielt wegen Beihilfe sechs Monate auf Bewährung plus 100 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Hintergrund der Straftaten war die Drogensucht des seit 2004 in Deutschland lebenden Libanesen, der täglich ein bis zwei Gramm Heroin benötigte und durch den Weiterverkauf seiner Einbruchsbeute finanzierte.

Die Masche war dabei immer dieselbe: Von der Lebensgefährtin ließ er sich in die Nähe extra ausgewählter Arztpraxen chauffieren, um dann für eine halbe oder Dreiviertelstunde zu verschwinden. Während Frau und Kind im Auto blieben, brach er mittels eines Schraubenziehers Türen auf und durchsuchte die Praxenräume nach Stehlenswertem.

Reiche Beute

In vier der angeklagten Fälle machte der Libanese reiche Beute, zweimal blieb es beim erfolglosen Einbruchsversuch. In die Hände fielen dem Angeklagten meherere Laptop-Computer, Flachbildschirme und Digitalkameras, erstaunliche Mengen Bargeld und Zahngold.

Vor Gericht zeigte sich der 23-Jährige wie auch schon bei früheren Verhandlungen rundum geständig. Sein kooperatives Verhalten gegenüber Polizei und Justiz bewahrte ihn am Ende sogar vor Schlimmerem: Bei einem weiteren angeklagten Fall, als er in Bebra einem Mann entweder die Geldbörse oder Rauschgift stahl, war laut Anklage Gewalt im Spiel. Das Opfer war jedoch gestern nicht vor Gericht erschienen, so dass man sich alleine auf die Aussage des Angeklagten verlassen musste, der lediglich den Diebstahl einräumte. Dieses Zugeständnis fiel aufgrund der Offenheit des Libanesen bei den übrigen Taten leichter.

Drei Monate Nachlass gegenüber dem Antrag von Staatsanwältin Christina Dern gewährten Richter Michael Krusche und die beiden Schöffen auch dafür, dass der Angeklagte zur Aufklärung weiterer Straftaten beigetragen hatte. Verteidiger Christian Kusche hatte zwei Jahre Freiheitsentzug für ausreichend gehalten.

Schläge angedroht

Genauer hinterfragt wurde zudem die Rolle der Ex-Freundin, die zunächst als Mittäterin angeklagt war. „Ich habe es geahnt, aber nicht gewusst“, erklärte die 23-Jährige, die während ihrer Beziehung sowohl unter Psychoterror als auch unter Handgreiflichkeiten gelitten hatte. Denn als sie die Chauffeursdienste verweigern wollte, wurde der Freund böse und drohte ihr Schläge an.

Zwar erhielt die von Hartz IV lebende Verkäuferin aus der Beute gelegentlich kleinere Summen zugesteckt, doch so richtig beteiligt hatte sie der Freund am Etrag seiner Nachtschichten nicht.

Von Karl Schönholtz

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