Steigender Beratungsbedarf im Kreis / Kritik an Elterngeldregelung

Pro Familia warnt: Die soziale Not wächst

Maren

Hersfeld-Rotenburg. Das Arbeitsministerium plant angeblich angesichts klammer Kassen das Wohngeld für Hartz IV-Empfängern zu kürzen. Unterdessen schlägt Pro Familia Alarm: Die von der Bundesregierung geplanten Einsparungen verschärfen die soziale Lage von Familien mit geringem Einkommen und von Alleinerziehenden auch in unserem Kreis.

Die Pro-Familia-Mitarbeiter in Bad Hersfeld würden zunehmend mit sozialer Not und Kinderarmut konfrontiert, berichten Viola Bornmann und Maren Colton von der Beratungsstelle An der Untergeis. Besonders hart treffen die vorgesehenen Einsparungen werdende Mütter. „Die Zahl der Schwangerenberatungen ist von 234 im Jahr 2008 auf 277 in 2009 angestiegen, und dieser Trend hält an“, erklärt Maren Colton. Dieser Beratungs- und Orientierungsbedarf werde durch die geplante Anrechnung des Elterngeldes auf das Arbeitslosengeld II weiter steigen, fürchtet Colton. Viele Frauen würden durch Schwangerschaft und Geburt abhängig von staatlicher Unterstützung.

Die Schwangerschaftskonfliktberatung solle einerseits ergebnisoffen sein, habe aber auch die wichtige Aufgabe, zum Austragen der Schwangerschaft zu ermutigen. Angesichts der geplanten Sozialkürzungen werde es immer schwieriger, einer schwangeren Frau in angespannter Lage glaubhafte Perspektiven aufzuzeigen. „Ihre Aussichten sind miserabel“, kritisiert Colton, „die Einsparungen treffen vor allem jene, die schon jetzt nichts haben.“ Die Anrechnung des Elterngeldes aufs Arbeitslosengeld II sei das falsche familienpolitische Signal und müsse zurückgenommen werden.

Allerdings löse das Elterngeld allein die Probleme von armen Familien nicht, obwohl die 300 Euro den Start mit Kind erleichterten.

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Von Kai A. Struthoff

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