Ein falscher Freund der Festspiele

Karl Schönholtz

Als falscher Freund der Bad Hersfelder Festspiele erweist sich Gunter Grimm, Vorsitzender der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung, der sich in einer Pressemitteilung vermeintlich um das Theaterfestival sorgt und angebliche Geheimniskrämerei von Intendanz und Mehrheitsfraktion um ein „zusätzliches Defizit“ moniert. Grimms Lesart der Festspielfinanzierung ist jedoch unlauter: Der Wirtschaftsplan der Festspiele mit einem Gesamtvolumen von 5,08 Millionen Euro ist zunächst einmal in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen.

Auf der Einnahmenseite stehen neben dem Kartenverkauf natürlich auch die Zuschüsse von Stadt, Bund und Land. Denn wie etwa die Kindergärten, die öffentlichen Bäder und die Gemeinschaftseinrichtungen sind auch die Festspiele auf solche finanzielle Unterstützung angewiesen. Wird der Wirtschaftsplan als Bestandteil des städtischen Haushalts beschlossen, ist das gewollte Stadtpolitik – ob es Grimm nun gefällt oder nicht. Ein Defizit ist erst dann zu beklagen, wenn der Plan nicht eingehalten werden kann, etwa weil nicht so viele Karten verkauft wurden wie erwartet oder weil erhoffte Spenden nicht geflossen sind. Das ist in diesem Jahr geschehen und summierte sich auf 344 000 Euro. Dieses Defizit wurde jedoch offen kommuniziert und verständlicherweise auch diskutiert. Von Geheimniskrämerei konnte jedoch keine Rede sein. Und wenn die CDU den städtischen Zuschuss für die Festspiele zurückfahren möchte, dann sollte sie das auch offen sagen und damit nicht durch die kalte Küche kommen.

Ob Bürgermeister Thomas Fehling und Intendant Holk Freytag nach ihrem klärenden Gespräch zu neuer Männerfreundschaft gefunden haben, wollen wir mal bezweifeln. Doch in der hinterher veröffentlichten gemeinsamen Erklärung war von beigelegten Differenzen und der Vereinbarung klarer Spielregeln die Rede. Das ist nach dem imageschädlichen Vorspiel auf jeden Fall eine gute Nachricht für die Festspiele. Und nicht zuletzt stimmt der attraktive Spielplan für 2012 hoffnungsfroh.

Als wahrer Freund der Hersfelder Zeitung erweist sich Bundespräsident Joachim Gauck: Der hatte der HZ bekanntlich zum 250-jährigen Geburtstag mit einem Grußwort für die Jubiläumsbeilage gratuliert. Jetzt legte Gauck nach: In seiner Rede bei der Jahrestagung des Bundesverbands der Deutschen Zeitungsverleger in Dresden, in der es unter anderem um Glaubwürdigkeit und Beständigkeit ging, verwies der Bundespräsident beispielhaft auf die HZ.

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