Falsche Solidarität und Ansichtssachen

Karl Schönholtz

Die schlimme Schlägerei vom Lolls-Freitag beschäftigt die Menschen in Bad Hersfeld und Umgebung nach wie vor. Nach dieser Gewaltorgie, die einem Menschen beinahe das Leben gekostet hat, verbietet es sich, einfach zur Tagesordnung überzugehen.

Die Suche nach dem oder den Täter(n) ist bisher allerdings erfolglos geblieben. Das verwundert angesichts einer Vielzahl von potenziellen Augenzeugen, und das verwundert andererseits kein bisschen, wenn man die Alkoholpegel der Lolls-Zecher in Betracht zieht.

In den sozialen Netzwerken wird die Tat heftig diskutiert. Und manche Beiträge lassen sich so interpretieren, als wäre der Haupttäter gewissen Zeugen bekannt. Es wolle ihn aber niemand verpetzen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Nur wenn dem so ist, dann wäre das ein Fall von völlig falsch verstandener Solidarität.

Wer zu solchen Gewaltausbrüchen – auch unter Alkohol – fähig ist, der darf nicht gedeckt werden. Er ist eine Gefahr für seine Mitmenschen und muss für das, was er angerichtet hat, bestraft werden. Schwerwiegende Straftaten stillschweigend durchgehen zu lassen ist dagegen vollkomen inakzeptabel und hilft niemanden – nicht einmal dem Täter, der aus einem Davonkommen die falschen Schlüsse ziehen könnte.

Man muss nicht alle Wohnanlagen, die in der jüngeren Vergangenheit in Bad Hersfeld hochgezogen wurden, schön finden. Doch im Grunde sind alle diese Projekte begrüßenswert: Sie halten die Menschen in der Stadt oder holen sie sogar ins Zentrum zurück. Auf Sicht ist damit gewährleistet, dass die Innenstädte nicht veröden und Kaufkraft erhalten bleibt.

Es gibt aber noch einen weiteren ganz wesentlichen Aspekt: Den Initiativen der Investoren ist es zu verdanken, dass manche Problemzone beseitigt wird. Das gilt beispielsweise für die Obere Frauenstraße, und das gilt ganz bestimmt für die Knottengasse.

Zwar musste der Denkmalschutz an beiden Standorten mehr Konpromisse eingehen, als wünschenswert ist, doch die Alternative wären weitere Leerstände und Verfall. Nicht vergessen wollen wir in diesem Zusammenhang das Parkhaus am Neumarkt, in dem das neue Hotel immer deutlichere Konturen annimmt.

Jetzt hoffen wir darauf, dass sich möglichst bald auch eine Lösung für das Kirchtor-Ensemble findet. Dieser Schandfleck an so prominenter Stelle am Markt – der tut richtig weh.

Kommentare