Prozess um uneidliche Falschaussage

Falsch verstandener Freundschaftsdienst

Bad Hersfeld. Jeder Zeuge, der vor Gericht aussagen soll, wird belehrt, dass er zur Wahrheit verpflichtet ist. Und in vielen Fällen fehlt auch der Hinweis nicht, dass die Strafandrohung für eine unrichtige Aussage viel höher ist als das, was dem Angeklagten droht.

So ist es auch im Februar vergangenen Jahres im Prozesss um die Trunkenheitsfahrt eines Hersfelders gewesen. Doch die mahnenden Worte des Richters blieben offenbar wirkungslos, sodass im Folgenden die damaligen Zeugen auf der Anklagebank Platz nehmen wussten – wegen uneindlicher Falschaussage.

Gestern traf es einen 20-jährigen Hersfelder, der dem Alkoholfahrer vermeintlich zu einem Alibi verhelfen wollte. Denn gemeinsam mit dessen Sohn und in dessen Auto wollte der junge Mann unterwegs gewesen sein und an der Tankstelle ein Sixpack Bier besorgt haben, als eine Polizeistreife ein Auge auf den Pkw geworfen hatte. Ob diese Aussage der Wahrheit entsprach oder ein falsch verstandener Freundschaftsdienst war, hatte im Prozess gegen den Trunkenheitsfahrer keine Rolle gespielt. Die Streifenpolizisten hatten den Wagen vom ersten Blickkontakt bis zur Kontrolle des deutlich angetrunkenen Eigentümers im Auge gehabt. Ein zwischenzeitlicher Fahrerwechsel beziehungsweise einen Schlüsselübergabe der beiden jungen Männer an den Vater konnten unmöglich stattgefunden haben.

Weil die zeitlichen Angaben am Ende so schwammig waren, dass nicht auszuschließen war, dass die Fahrt zur Tankstelle stattgefunden hatte, bevor sich der alkoholisierte Vater ans Steuer setzte, wurde das Falschaussage-Verfahren auf Antrag von Staatsanwältin Christina Dern eingestellt. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Dr. Rolf Schwarz verhängte jedoch 50 Stunden gemeinnützige Arbeit. (ks)

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