HZ-Interview mit Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling

Ein Fahrplan für Boehmers Ausstieg

Mit dem langen Löffel kann man sich nicht selber bedienen, sondern muss den anderen füttern: Mit dieser Metapher fordert Bad Hersfelds neuer Bürgermeister Thomas Fehling – hier an seinem Schreibtisch im Rathaus – zur Zusammenarbeit auf. Das Schild hatte ihm die Personalratsvorsitzende Rita Cramer bei der Weihnachtsfeier überreicht. Foto: Struthoff

Bad Hersfeld. Üblicherweise gibt es für jeden Neuen hundert Tage Schonfrist und Zeit, sich einzuarbeiten. Thomas Fehling hat jedoch schon in den ersten drei Wochen als Bürgermeister von Bad Hersfeld mehr erlebt als andere in hundert Tagen: Erst Schneemassen und Hochwasser, dann den Rücktritt von Hartmut H. Boehmer als Geschäftsführer der städtischen Gesellschaften und schließlich den Rettungsplan für die Vitalisklinik.

Herr Fehling, haben Sie sich das neue Amt so aufregend vorgestellt?

Thomas Fehling: Ich bin schon davon ausgegangen, dass es sportlich wird und eine Menge Arbeit auf mich zukommt. Das lag auch daran, dass über Monate keine nachhaltigen Entscheidungen getroffen wurden. Dies dem neuen Bürgermeister zu überlassen, war auch die Verabredung. Dass es unter dem Strich dann so turbulent wurde, das konnte man sich wohl nicht vorstellen.

Sie haben sich in Sachen Boehmer, der seinen Ausstieg als Geschäftsführer von Stadtentwicklungsgesellschaft und städtischen Wirtschaftsbetrieben zum Monatsende angekündigt hat, nicht zu einer schnellen Entscheidung drängen lassen. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Fehling: Ich habe am vergangenen Montag im Magistrat einen Fahrplan vorgestellt, wie es nach meinen Vorstellungen ablaufen könnte. Dieser Plan liegt jetzt der Gesellschafterversammlung vor. Ich möchte jetzt noch nicht auf Einzelheiten eingehen, um Zeit zum Nachdenken zu geben und ein bisschen die Hektik herauszunehmen.

Viel Zeit bleibt aber nicht. Boehmer hat seinen Rücktritt zum 31.1. erklärt, zwischenzeitlich aber auch einen Rücktritt vom Rücktritt angedeutet. Bleibt er nun oder geht er?

Fehling: Es sind auch juristisch noch einige Punkte zu klären und Verabredungen zu treffen. Ich gehe im Moment davon aus, dass uns Herr Boehmer über den 31. Januar hinaus noch ein Stückchen länger erhalten bleibt. Aber dann wird die Zeit sehr endlich sein. Wir bereiten uns im Moment von Seiten der Verwaltung darauf vor, dass die Übernahmen stattfinden und dass diese Entscheidung dann final ist.

Den Rettungsplan für die Vitalisklinik hat Boehmer quasi im Alleingang verkündet. War das so abgesprochen? Oder sind Sie übergangen worden?

Fehling: Ich wusste zwar, dass es Gespräche gibt, war aber nicht über Details und den Verhandlungsstand informiert. Ich habe sehr zeitnah, aber erst im Nachhinein die Vereinbarung zur Kenntnis bekommen. Von daher ist das ein Stück weit an mir vorbeigelaufen. Ich muss aber dazu sagen, dass ich mich nicht in der Verpflichtung sehe, da einzugreifen, weil die Zuständigkeiten klar geregelt sind.

Aber hätte man Sie zumindest nicht vorher informieren müssen?

Fehling: Ich habe mehrfach angeboten, mich einzubringen und mich kundig zu machen, auch schon vor meinem Amtsantritt. Aber all diese Angebote hat man nicht wahrgenommen. Von daher ist die Situation, wie sie ist. Ich bekomme die Informationen, aber erst nachher.

Das ist bei so einem wichtigen Thema wie der Vitalisklinik aber schon etwa komisch...

Fehling: Formal ist es korrekt. Wir haben einen Geschäftsführer, der das zu verantworten hat und der berichtet dann an seine Organe.

Aber der Geschäftsführer hat in diesem Fall eine Entscheidung verkündet, bevor der Bürgermeister informiert wurde?

Fehling: Das müsste man zeitlich genau prüfen. Formal hatte ich das Dokument wohl auf dem Schreibtisch, bevor ich die HZ gelesen habe. Faktisch ist es so, dass ich es aus der Zeitung erfahren habe.

Das war für den Anfang ganz schön viel Arbeit und Ärger. Aber hat es denn auch schöne Momente gegeben?

Fehling: Das Willkommen war ganz toll. Sowohl hier in der Stadtverwaltung, als auch bei Begegnungen mit den Bürgern. Es gab auch bewegende Momente wie die Jahreshauptversammlung bei der Feuerwehr. Wenn man vorne steht und guckt so in das Rund und sieht viele Freunde von früher, die einen mit einem erwartungsvollen Lächeln anschauen, das ist extrem positiv.

Und wie ist die Stimmung im Rathaus?

Fehling: Die war am Anfang natürlich etwas verhalten, das ist ganz normal, wenn einer einen neuen Job anfängt. Doch jetzt wird sehr konzentriert, sehr engagiert gearbeitet, aber man lacht auch miteinander und hat Spaß. Vielleicht ist diese Mischung auch der hohen Schlagzahl geschuldet, die wir gleich am Anfang hatten. Da ist man sehr schnell zusammengerückt.

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