Ein Mercedes 220 Cabriolet A Baujahr 1954 weckt Erinnerungen

Fahren wie der Großvater: Jochen Roth hat sich einen Traum erfüllt

Ein Auto für schöne Stunden: Jochen Roth aus Bad Hersfeld mit seinem Mercedes 220 Cabriolet A, Baujahr Mai 1954 vor dem Robert-

Bad Hersfeld. Jedesmal, wenn Jochen Roth in sein Mercedes 220 Cabriolet A Baujahr 1954 steigt, denkt er liebevoll an seinen Opa. Zu dem hatte er ein sehr inniges Verhältnis. Christian Volk war Maurermeister und ein sehr bescheidener Mann, erzählt Jochen Roth. Aber er liebte schicke Sportwagen. Unter anderem hatte er einen solchen Mercedes, in weinrot, wie Jochen Roth erzählt. Viele Jahre hat er davon geträumt, ein solches Auto fahren zu können. 2012, nach dem Tod seiner Mutter, konnte er sich leisten, seinen Traum zu erfüllen.

Jochen Roths Großvater, geboren im Jahr 1900, hatte bereits vor dem Zweiten Weltkrieg in Pfungstadt eine kleine Baufirma aufgebaut. Während des Krieges galt er als unabkömmlich und musste deshalb nicht als Soldat dienen. Stattdessen war er mit einigen Mitarbeitern im Braunkohletagebau im Sudetenland in Teplitz-Schönau eingesetzt. Als er 1945 mit Frau und Tochter – Jochen Roths Mutter – auf dem Heimweg nach Pfungstadt war, wurde sein schönes Auto, ein BMW Cabriolet, in Eger von den Amerikanern konfisziert. Zu Fuß schlug sich die Familie durch und war, als sie in Pfungstadt ankam, so arm wie die meisten anderen Leute auch, erzählt Roth.

Wiederaufbau

Allerdings hatte der Großvater noch vor seiner Abreise aus Teplitz einen Güterzug mit all seinen Baumaschinen beladen und nach Hessen geschickt. Und diese Maschinen waren der Grundstock für sein persönliches Wirtschaftswunder. Er hatte die einzige Baufirma, die sofort nach Kriegsende anfangen konnte, das zerstörte Darmstadt wiederaufzubauen. Die Firma wuchs und gedieh und beschäftigte immer mehr Arbeiter. Und im Jahr 1954 konnte sich Christian Volk wieder ein neues schickes Cabriolet kaufen, den Mercedes 220 A in weinrot.

Zu Jochen Roths Aufgaben als Kind gehörte es, das Auto zu waschen und zu pflegen. Und auch sonst hat er viele Aufgaben für seine Großeltern übernommen. „Mein Großvater war ein sehr gütiger Mensch“, erinnert sich Roth, „er war auch gut zu seinen Mitarbeitern.“ Er hat mit seinem neu erarbeiteten Reichtum viel Gutes getan und wurde allseits geachtet, erzählt Roth. Er erinnert sich, dass zu den Geburtstagen seines Großvaters die örtlichen Blaskapellen anrückten und Ständchen spielten. Ehrenvorsitzender des SV Darmstadt 98 sei sein Großvater ebenfalls gewesen.

Es sind viele schöne und lustige und auch wehmütige Erinnerungen, die in Jochen Roth hochsteigen, wenn er an seinen Großvater denkt. Deshalb würde er das Auto, das er mit ihm verbindet, auch nie verkaufen, obwohl es seit dem Erwerb vor vier Jahren schon erheblich im Wert gestiegen ist. Von diesem Modell wurden nur 11 000 Fahrzeuge gebaut, 350 gibt es noch weltweit.„Ich verkaufe doch meinen Großvater nicht“, scherzt Roth.

Stattdessen gönnt er sich regelmäßig Ausflugsfahrten mit dem edlen Vehikel. Nicht auf der Autobahn – da wird der Mercedes auf dem Anhänger gezogen – sondern ganz gemütlich auf der Landstraße durch schöne Landschaften: am Bodensee, im Allgäu, im Zillertal oder am Gardasee waren Roth und sein Oldtimer schon unterwegs. Auch bei Oldtimer-Treffen sind sie regelmäßig anzutreffen. Das nächste Mal bei den Mückenstürmer-Classics am 7. Mai in Bad Hersfeld.

Von Christine Zacharias

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