Zukünftige Ziele wegen Ärztemangels: Mehr Patienten versorgen, weniger Bürokratie

Fahrdienste für Patienten nötig

Beraten sich nach dem Vortrag von Hans-Joachim Schade (rechts): Landrat Karl-Ernst Schmidt (links) und Mitglieder des runden Tisches für die Ärzte-Akademie Foto: Strecker

Bad Hersfeld. Bis 2020 werden hessenweit nur noch 50 Prozent der benötigten Hausärzte eine Praxis betreiben. Damit die Patienten im Landkreis Hersfeld-Rotenburg trotzdem gut versorgt werden, arbeiten Landkreisverwaltung, niedergelassene Ärzte und die Geschäftsleitungen der Krankenhäuser eng zusammen. Neben einem Arbeitskreis, der eine Akademie für hausärztliche Weiterbildung auf die Beine stellen will, hat Rechtsanwalt Hans-Joachim Schade jetzt in einem Vortrag vorgestellt, wie weniger Ärzte es schaffen könnten, mehr Patienten zu versorgen.

Das Modell, das Schade den zahlreich anwesenden Ärzten näher gebracht hat, basiert auf der Idee, dass mehrere, auch ältere Ärzte sich zusammenschließen. „Ich plädiere dafür, Gesundheitszentren zu entwickeln, in denen drei bis sieben Ärzte zusammenwirken. Das Modell der kleinen Hausarztpraxis ist nicht von Gott gegeben“, sagte Schade, Fachanwalt für Medizinrecht.

Schreibarbeit abgeben

Davon profitieren würden die Ärzte insofern, als dass sie sich Fachpersonal teilen könnten, das sie von Schreibarbeiten entlastet. Dazu kommt, dass sie vorhandene Strukturen nutzen könnten, ohne sich erst um Praxisräume und Co. kümmern zu müssen und dass Ärztinnen mit Kindern leichter weniger Stunden pro Woche arbeiten könnten. Hans-Joachim Schade schwebt ebenfalls vor, dass die Ärzte durch eine breitere Nutzung der Medien ihre Patientenkontakte zukünftig verdoppeln sollten, indem sie auch telefonisch oder über Video-Telefonie mit ihren Patienten in Verbindung bleiben.

„Ich habe mit einer Gemeinschaftspraxis schon Erfahrungen gemacht und würde nur dann wieder in einer arbeiten wollen, wenn ich wieder Arzt sein kann. Ohne zehn Stunden Bürokratie pro Woche“, meldete sich Hausarzt Dr. Thomas Lepper aus Philippsthal zu Wort. Dass mehr junge Ärzte eine Stelle im Kreis anpeilen würden, wenn die Bezahlung entsprechend ausfiele, gab Hausarzt Dr. Martin Ebel aus Bad Hersfeld zu bedenken: „Die Politik nimmt die Krankenkassen zu wenig in die Pflicht. In den Hausarztpraxen werden 85 Prozent der Patientenprobleme gelöst, aber dafür stehen nur 15 Prozent des Honorars im Gesundheitswesen zur Verfügung.“

Neue Organisationsmodelle

Ein Problem der Gesundheitszentren-Idee sei, dass die Patienten, die gerade nicht in der Kreisstadt, Rotenburg oder Bebra wohnen, dann längere Wege bis zum Arzt in Kauf nehmen müssten. „Früher oder später müssen andere infrastrukturelle Modelle her. Es sind Fahrdienste auf ehrenamtlicher Basis nötig oder Hol- und Bringdienste für ältere Menschen, die vom DRK und ADAC organisiert werden“, regte Referent Hans-Joachim Schade an. Außerdem sei es wichtig, niedergelassene Ärzte, Fachärzte und Klinikärzte an einen Tisch zu bringen. So, wie es in Hersfeld-Rotenburg schon mit dem vom Landrat initiierten runden Tisch versucht wird.

„Bei der Planung zur Akademie der hausärztlichen Weiterbildung sind wir schon einen Schritt weitergekommen und entwickeln gerade eine Homepage, auf der sich angehende Ärzte informieren sollen“, erläuterte Anja Deiß, Zukunftsbeauftragte des Landkreises.

Von Judith Strecker

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