Alte Fahrzeuge prägten am Samstag das Bild in der Bad Hersfelder Innenstadt

Fahrbare Antiquitäten

Information: Auf der Bühne am Linggplatz in Bad Hersfeld stellt Martin Knauff dem Publikum die Fahrzeuge vor. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. Benzingeschwängert war am Samstag die Luft in der Bad Hersfelder Innenstadt während der mittlerweile 7. Mückenstümer Classics. Abgase aus Zwei- und Viertaktmotoren, schließlich verfügen nur die wenigsten Oldtimer über einen Katalysator, vermischten sich mit dem Duft nach Rostbratwürsten, Popcorn und gebrannten Mandeln.

Für ein paar Stunden hatten Autos und Motorräder die Fußgängerzone zurückerobert – ältere Hersfelder werden sich sicherlich noch daran erinnern, wie sich der Verkehr einst durch Klaus- und Weinstraße zum Linggplatz quälte. Allenthalben wurde gefachsimpelt oder einfach nur gestaunt, die Gespräche drehten sich meist um technische Details und so illustre Namen wie Horex, EMW oder DKW/Autounion.

Bereits um 9 Uhr waren die Teilnehmer am Laufholz zu einer Bildersuchfahrt durch Bad Hersfeld und Umgebung gestartet, von der sie nach und nach auf dem Linggplatz eintrafen. Dort stand die große Überfahrtbühne, an der Martin Knauff kenntnisreich die Old- und Youngtimer in einem Kurzinterview mit den stolzen Besitzern vorstellte. Außerdem unterzogen sich die Fahrer dort noch einer Sonderprüfung, bei der es galt, das Fahrzeug um genau eine Radumdrehung zurückzusetzen. Den meisten gelang dies übrigens mit beeindruckender Präzision. Weiter ging es im Schritttempo in die Fußgängerzone, wo die Oldtimer anschließend ausgiebig bewundert werden konnten.

Jede dieser „fahrbaren Antiquitäten“ hat eine mehr oder weniger lange, aber fast immer interessante Geschichte zu erzählen, wie man beim Bummel durch die Innenstadt leicht in Erfahrung bringen konnte. Die 600er BMW, mit der Horst von Bovert an den Mückenstürmer Classics teilnahm, wurde ursprünglich in die USA ausgeliefert, von wo aus sie irgendwie zurück nach Deutschland und in seine Hände kam. Da sich seine Frau irgendwann dagegen sträubte, weiterhin auf dem Sozius mitzufahren, erwarb er nach der Grenzöffnung in der Nähe von Zwickau einen 1954 gebauten, sehr seltenen „Steib“-Seitenwagen, den er dann an seiner BMW montierte.

Götz Geissler aus Bad Hersfeld zeigte seine Vélosolex mit dem typischen Reibrollenantrieb auf dem Vorderrad, mit der er schon halb Deutschland bereist hat, wie er schmunzelnd erzählt.

Oldtimer des Monats Januar

Peter Freund aus Raboldshausen hatte seinen Austin Champ, einen britischen Militär-Geländewagen Baujahr 1953, vor der City-Galerie geparkt. Dieser ist mit einem echten Rolls-Royce-Motor ausgerüstet, wie er bei einem Blick unter die Motorhaube stolz berichtet. Seitdem er das Fahrzeug von einem Holländer erworben und aufwendig restauriert hat, nimmt er regelmäßig an Treffen wie der „War & Peace Show“ in England teil. Im Januar hat die hr4-Autoredaktion den Champ übrigens zum „hr4-Oldtimer des Monats“ gewählt.

7. Mückenstümer Classics

Dass es unter den Oldtimern auch schon „Drei-Liter“-Autos gab, sei nur am Rande erwähnt. Schöne Beispiele dafür waren in Gestalt eines Goggomobils und einer BMW Isetta vor dem Modecentrum Sauer zu sehen. Ob mit den drei Litern allerdings der Verbrauch oder das gefühlte Volumen der Fahrgastzelle gemeint sind, sei einmal dahingestellt.

Von Thomas Landsiedel

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