Ludwig Kirschner aus Kalkobes ist mit 93 Jahren fast täglich mit dem Rad unterwegs

Und er fährt immer noch

Radelnder Rentner aus Kalkobes: Ludwig Kirschner ist auch mit 93 Jahren fast täglich mit Fahrrad im Städtchen unterwegs. Foto: Maaz

Bad Hersfeld. Ob zum Zahnarzt in der Stadt oder zum Einkaufen in den nahegelegenen Supermarkt: Auch mit 93 Jahren ist Ludwig Kirschner aus Kalkobes noch fast täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Viele kennen den radelnden Rentner von der Homberger Straße und manch einer spricht ihn an mit: „Ach Gott, Sie fahren ja immer noch!“

Sein Auto hat der 93-Jährige aus Gründen der Vernunft nach dem 90. Geburtstag abgegeben. „Mein Arzt hat damals allerdings gesagt, ich hätte lieber das Fahrrad stehen lassen sollen“, sagt Kirschner lachend. Das Radfahren mache ihm einfach Spaß und „mit dem Bus kenne ich mich nicht aus“, winkt er ab. Nur wenn er zum Klinikum muss, nimmt er ein Taxi, denn der steile Berg am Seilerweg ist dann doch ein bisschen zu viel des Guten.

Bis vor zwei Jahren ist der rüstige Rentner noch regelmäßig nach Obergeis gefahren, um sich an der Natur zu erfreuen und Fotos zu machen. Doch das stetige Bergauffahren sei er irgendwann leid gewesen. „Es fehlte die Kraft und die Lust“, erklärt Kirschner. Ein E-Bike kommt für den 93-Jährigen, der zwei Herzinfarkte überstanden hat, trotzdem nicht in Frage. So etwas habe ihm sein Sohn auch bereits nahegelegt, aber er habe nur gesagt: „Lass den Blödsinn.“

Sieben Gänge und Rücktritt hat sein Damenrad mit tiefem Einstieg. Den Sattel hat der 93-Jährige extra tief eingestellt, um bei möglichen Wacklern schnell wieder festen Stand zu haben. „Ich bin schon immer gerne in Bewegung gewesen“, sagt der 93-Jährige. Dabei sei er als Junge nie ein guter Sportler gewesen. Nur Radfahren und Schwimmen habe ihm Spaß gemacht. „Beim Laufen kam ich immer als Letzter ins Ziel, aber die die damals gewonnen haben, sind heute alle längst tot.“

Ludwig Kirschner ist in Kalkobes geboren und hat auch immer dort gelebt. Nur als Soldat im Zweiten Weltkrieg musste er die Heimat für fast fünf Jahre verlassen. Das Radfahren gelernt habe er mit sechs oder sieben Jahren auf dem großen Herrenrad seines Vaters. „Unter der Stange durch“, erklärt er das schwierige Unterfangen. „Aber wir hatten immerhin ein Fahrrad, das war nicht selbstverständlich“, erinnert er sich.

Was gleich auffällt: der 93-Jährige ist stets ohne Helm unterwegs. „Damit komme ich mir irgendwie blöd vor“, gesteht der Rentner, wenngleich er um die Gefahren im Straßenverkehr natürlich weiß. Bei einem Sturz mit dem Rad hat er sich vor einigen Jahren den Fuß gebrochen. Doch schon drei, vier Wochen später saß er wieder im Sattel. „In der Gegend rumfahren“ will Kirschner noch, solange er kann. „Irgendwann hört das von allein auf, so wie meine Ausflüge nach Obergeis.“

Von Nadine Maaz

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