Schulen im Kreis nennen pädagogische Gründe für fachfremden Unterricht

Politik-Lehrern fehlt oft die Fach-Ausbildung

Hersfeld-Rotenburg. Nicht alle Lehrer, die in Hessen Politik unterrichten, haben das Fach auch studiert. Zumindest hat das der Pädagoge Achim Albrecht herausgefunden. Besonders an Hauptschulen kommt der sogenannte fachfremde Unterricht häufig vor - mit Nebenwirkungen.

Hessenweit findet an Haupt- und Realschulen bis zu 80 Prozent des Politikunterrichts mit Lehrkräften statt, die für das Fach keine Ausbildung haben. In anderen Schulfächern ist ein solcher fachfremder Unterricht bis zu 30 Prozent gang und gäbe. 

Das hat Achim Albrecht, Lehrbeauftragter an der Uni Kassel, aus der Antwort auf eine Große Anfrage der SPD zur Unterrichtssituation in Hessen herausgelesen. Albrecht spricht von einer Geringschätzung bestimmter Fächer. 

Die Schulen und das Staatliche Schulamt im Kreis Hersfeld-Rotenburg sehen das anders: Aus ihrer Sicht sprechen pädagogische Gründe für fachfremden Unterricht. So könne es an der Hauptschule durchaus sinnvoll sein, dass ein Lehrer mehrere Stunden in der Woche eine Klasse betreue und so eine enge Beziehung zu den Schülern aufbaue, erklärt Anita Hofmann, Schulamtsleiterin in Bebra. Das funktioniere aber nur, wenn Lehrkräfte auch Fächer unterrichten, die sie nicht studiert haben. Die Idee dahinter: Der Lehrer als Bezugsperson übernimmt nicht nur den Bildungs-, sondern auch den Erziehungsauftrag. 

Eher unüblich ist fachfremder Unterricht laut Hofmann an Gymnasien. Dort werde von Anfang an der Grundstein durch Fach-Lehrer gelegt. Mit Blick darauf spricht Albrecht von zwei völlig verschiedenen Schulkulturen. Dahinter stehe ein Menschenbild, das Kinder und Jugendliche in zwei Gruppen einteile: in eine, die intensiver pädagogischer Betreuung bedarf, und in eine, für die vor allem Fachkompetenz erforderlich sei. 

Trotz dieser Diskussion sind sich viele Schulleiter im Kreis einig: Die erzieherischen Vorteile überwiegen. Sabine Amlung, Schulleiterin der Jacob-Grimm-Schule in Rotenburg, bestätigt das für ihre Schule. Und weil Bezugspersonen positive Verhaltensweisen bewirken können, werde auch an der Gesamtschule Geistal in Bad Hersfeld fachfremd unterrichtet, erklärt Schulleiterin Andrea Zimmermann.

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