Die Pro-Familia-Beratungsstelle Bad Hersfeld feierte ihr 50-jähriges Bestehen – Neue Aufgaben

Die Fachfrauen für Tabus

50 Jahre Pro Familia in Bad Hersfeld: Über die Arbeit früher und heute sprachen die Vorsitzende Gesa Niggemann-Kasozi, Geschäftsführerin Maren Colton und der ehemaligen Mitarbeiterin Sabine Koch (von links). Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. Peinliche Themen offen ansprechen, gesellschaftliche Tabus in die Öffentlichkeit holen – das gehört zu den Stärken von Pro Familia – seit 50 Jahren mit einer Beratungsstelle in Bad Hersfeld präsent. Das Jubiläum wurde jetzt im Buchcafé mit vielen Gästen offiziell gefeiert.

Dass eine der ersten Beratungsstellen von Pro Familia in Hessen in den 60er Jahren ausgerechnet in der Kleinstadt Bad Hersfeld entstanden ist – der Landesverband war erst ein Jahr zuvor gegründet worden – und sich dann auch noch über fünf Jahrzehnte hier gehalten hat, gewachsen ist und sich weiterentwickelt hat, das war bei der Jubiläumsfeier immer wieder Grund zum Staunen.

Auf Aktuelles reagieren

So ging es auch Gesa Niggemann-Kasozi, der Vorsitzende des Pro-Familia-Kreisverbandes Vogelsbergkreis, der auch die Beratungsstelle Bad Hersfeld mit betreut. Sexualität, Verhütung, Familienplanung – das waren vor 50 Jahren Themen, über die man nicht sprach. Ungewollte Schwangerschaften und illegale Abtreibungen waren aber Tatsachen, denen die Pro Familia vor allem mit Beratung und Informationen über Verhütungsmethoden entgegentreten wollte.

Bis heute sind es überwiegend Frauen, die sich darum kümmern, das Beratungsangebot aufrechtzuerhalten und immer wieder neu auf die aktuellen Themen zu reagieren. Ab November wird die Pro Familia in Bad Hersfeld eine Fachberatungsstelle zum Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche neu aufbauen, verkündete die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, die auch gleich einen Bewilligungsbescheid über 1750 Euro für diese neue Aufgabe überreichte.

Lob und Anerkennung gab es außerdem vom Landtagsabgeordneten Torsten Warnecke (SPD), von Bad Hersfelds Erstem Stadtrat Gunther Grimm (CDU), von Landesgeschäftsführerin Brigitte Ott und von Annelore Hermes, der Regionalgeschäftsführerin Osthessen des Paritätitischen Hessen.

25 Jahre, die Hälfte des Bestehens der Beratungsstelle, hat Sabine Koch dort gearbeitet. Sie berichtete, dass in den 1980er Jahren vor allem die Verhütungsberatung eine wichtige Aufgabe gewesen sei. Eine Ärztin habe in der Beratungsstelle gearbeitet, die auch Pillen an bedürftige Frauen auch kostenfrei herausgeben durfte. Das Geld für die Verhütungsmittel habe der Kreis zur Verfügung gestellt.

Herausforderung

Heute stellt die Beratung von Migrantenfamilien, die teilweise kaum deutsch sprechen, eine Herausforderung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Pro Familia dar, ergänzte Geschäftsführerin Maren Colton.

Das sexualpädagogische Angebot an Schulen sei nur schwer zu etablieren gewesen, an einer Schule im Kreis hatte Pro Familia Hausverbot.

Davon ist heute kein Rede mehr. Zwar arbeitet Pro Familia mit ständiger Finanznot, aber Anerkennung gibt’s von allen Seiten. Das wurde bei der Feier deutlich.

Von Christine Zacharias

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