Ein Abend mit Hersfeldpreisträgerin Marie Anjess Lumpp im Grebekeller

Facettenreiches Spiel

Gestenreich: Ausdrucksstark und wandelbar präsentierte sich Marie Anjess Lumpp den Besuchern. Fotos: Landsiedel

Bad Hersfeld. „Spielen ist menschlich“ – unter diesem Motto stand die erste Veranstaltung des neuen Jahres im Bad Hersfelder Grebekeller, die am Freitag und Samstag aufgeführt wurde.

Alles drehte sich dabei um Marie Anjes Lumpp, die 2014 für ihre Rolle als Bianca/Lois Lane im Musical „Kiss Me, Kate“ mit dem Hersfeldpreis ausgezeichnet wurde. Neben kurzen Interviews mit dem ehemaligen Festspielintendant Holk Freytag, in denen sie einiges über sich und die Theaterwelt preis gab, begeisterte sie gemeinsam mit „Special Guest“ Fabian Baumgarten, der den Hersfelder Festspielbesuchern ebenfalls kein Unbekannter ist, ihr Publikum mit einer facettenreichen und spannenden Mischung aus Musik und Schauspiel.

Von Anfang an stellte die 1987 geborene Sängerin und Schauspielerin ihre enorme Bandbreite stimmlicher und schauspielerischer Ausdrucksmöglichkeiten eindrucksvoll unter Beweis. Temperamentvolle Musical-Songs aus „Annie Get Your Gun“ oder „Cabaret“ kontrastierten mit einem anrührend zarten, fast schon zerbrechlichem „Weißt Du, wie viel Sternlein stehen“ und klassischen Jazz-Standards.

Verstörend und fesselnd

Verstörend und fesselnd zog die szenische Lesung aus Tennessee Williams Drama „Plötzlich letzten Sommer“ das Publikum in ihren Bann. Marie Anjes Lumpp und Fabian Baumgarten, von dem Holk Freytag sagte, er sei einer der wenigen jungen Schauspieler, von dem ich eines Tages den Hamlet sehen will, schafften es, eine Atmosphäre zu erzeugen, in der man eine Stecknadel hätte fallen hören. Ebenfalls großartig die Lesung aus Sophokles „Antigone“, mit der die beiden Schauspieler die archaische Welt der griechischen Tragödie auf faszinierende Art und Weise zum Leben erweckten.

Hersfeldpreisträgerin Marie Anjess Lumpp im Grebekeller

In seiner Anmoderation hatte Freytag noch bekannt, dass alle etwas nervös seien, da „wir heute etwas neues, neudeutsch Personality-Show genannt, machen“ würden. Dass die Nervosität unbegründet und das Konzept voll aufgegangen war, bewies nicht zuletzt der stürmische Schlussapplaus. Denn wann hat man schon einmal die Gelegenheit, hochkarätige Stars aus Theater und Musical auf einer kleinen Bühne hautnah erleben zu dürfen?

Von Thomas Landsiedel

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