Die Hersfelderin Friederike Landau erkundete in Chile die trockenste Wüste der Welt

Extremtour in der Atacama

Land der Extreme: Von der Hitze der Wüste ging es hinauf zu den heißen Quellen des Vulkans „El Tatio“.

Santiago/Bad Hersfeld. „Magst du lieber den Norden oder den Süden des Landes?“ Diese Frage stellte ich vielen Einheimischen, denen ich während meines dreimonatigen Aufenthalts in der chilenischen Hauptstadt Santiago begegnete. Vielen sprachen sich für die grünen Weiten und kühlen Gebirgszüge Patagoniens aus und schwärmten vom Nationalpark „Torres del Paine“ im südlichen Zipfel Chiles. Doch die Erzählungen über die trockene Wüste des Nordens und den indigenen Anden-Flair lockten mich noch mehr.

So startete ich wenige Stunden nach dem Ende meines Praktikums in Santiago 2000 Kilometer Richtung Norden nach Antofagasta, eine an der Pazifikküste gelegene Minen-Stadt. Ich verbrachte das Wochenende bei der Schwester meiner Mitbewohnerin. Sie lieferte einen weiteren lebenden Beweis für die uneingeschränkte Gastfreundschaft der Chilenen. Auf einem persönlichen Stadtrundgang mit meinem „Cousin in spe“ sah ich das Meer, den Hafen und drehte drei Runden um die Laube auf dem Plaza Colón: ein Ritual für diejenigen, die einmal an diesen Ort zurückkehren möchten. Eines Tages kann auch ich mir das vorstellen.

Die Stille der Wüste

Die letzte Station meiner Reise hieß San Pedro. Das Dörfchen mit 1982 Einwohnern liegt mitten in der Atacama-Wüste im Norden Chiles. Innerhalb von vier Tagen erlebte ich eine Fülle an Extremsituationen der Natur: Hitze, Kälte, Trockenheit.

Am ersten Tag unternahm ich eine Mountainbike-Tour in das elf Kilometer entlegene Ruinendörfchen Tulor. Mich faszinierte nicht nur die trockene Hitze, die schon am frühen Morgen die Luft zum Stehen bringt, sondern vor allem die ungebrochene Stille.

Es gibt hier wirklich gar kein Geräusch, sofern man es nicht selber verursacht. Fast ein bisschen unheimlich, allein inmitten von diesem Meer aus ausgetrockneten Felsen, rissigen Steppenflächen und einer einspurigen Asphaltstraße zu stehen. Den Nachmittag verbrachte ich auf Exkursion mit Brasilianern, Chilenen, Kanadiern und Engländern in der „Valle de la Luna“ (Tal des Mondes). Am frühen Abend beobachteten wir kurz nach dem Sonnenuntergang, wie der blasse Vollmond über den Bergen auf 3000 Metern Höhe hinaufstieg.

Die Gruppe war nach Alter und Herkunft bunt gemischt und verstand sich bestens, so dass wir den Abend in großer Runde ausklingen ließen. Wir aßen typische Spezialitäten wie Pastel de Choclo (Maisauflauf) oder Cazuela (Hühnereintopf), dazu gab es den obligatorischen zitronig-süßen Drink namens Pisco Sour.

Ein Bad in heißen Quellen

Morgens um halb vier ging es weiter: Ein scheppernder Bus brachte uns frühmorgens auf über 4400 Meter Höhe zu den sprudelnden heißen Quellen des Vulkans „El Tatio“. Außentemperatur minus 15 Grad Celsius. Dieser Morgen mit gleißendem Sonnenaufgang, watteartigem Nebel der aktiven Geysire und einer Kälte, die selbst durch Handschuhe, Mütze und Kniestrümpfe kriecht, war sicherlich einer der beeindruckendsten Momente meines gesamten Aufenthalts.

Dieses Erlebnis wurde nur noch übertroffen, als wir einige Kilometer weiterfuhren, um dort in den Ausläufen der Quellen zu baden. Direkt am Ursprung erreichen die Geysire eine Temperatur von über 80 Grad. Unser Badewasser war mit etwa 35 Grad jedoch auch schon warm genug und belebte unsere eingefrorenen Glieder.

Von Friederike Landau

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