Polizei und Medienzentrum warnen vor Pädophilen

Experten: Vorsicht mit Kinderfotos im Internet

Hersfeld-Rotenburg. Immer mehr Eltern veröffentlichen Fotos von ihren Kindern in sozialen Netzwerken wie Facebook. Polizei und Medienzentrum warnen: Pädophile könnten die Bilder missbrauchen oder Mitschüler den Nachwuchs Jahre später wegen der Bilder mobben.

„Viele Mütter und Väter machen sich keine Gedanken, bevor sie ein Bild aus dem Urlaub oder vom Volleyball-Training posten“, sagt Jörg Taubner, pädagogischer Leiter des Medienzentrums Hersfeld-Rotenburg. Dadurch ließen sie Rückschlüsse aufs Privatleben zu. „Das ist gefährlich, denn dann weiß ein Krimineller beispielsweise, dass der Sohn montagsabends in einer bestimmten Sporthalle Training hat“, erklärt Taubner. Freizügige Bilder seien für Pädophile besonders reizvoll. Polizeisprecher Manfred Knoch bestätigt die Gefahren: „Gerade Bilder von Kleinkindern geraten schnell in falsche Hände.“ Bedeutende Fälle seien ihm im Kreis bis jetzt glücklicherweise nicht bekannt.

Eltern vergessen laut Jörg Taubner: „Sobald sie ein Foto veröffentlichen, treten sie die Urheberrechte daran ab.“ Jeder dürfe es fortan speichern oder weiterleiten. „Und das Internet vergisst nie, dort ist es jahrelang auffindbar“, sagt der hauptberufliche Lehrer.

Deshalb empfiehlt Taubner, sich vor dem Hochladen zu fragen: Möchte ich, dass dieses Bild von meinem Kind im Supermarkt hängt? „Eltern denken sonst nicht an die Auswirkungen.“ Zudem sei es vermehrt vorgekommen, dass Jugendliche von Mitschülern gemobbt wurden. „Wenn die ein Bild vom Wickeltisch im sozialen Netzwerk finden, kann das richtig peinlich werden“, meint der Experte.

Im Medienzentrum mit Sitz in Rotenburg würden daher regelmäßig Seminare für Schulen und Vereine angeboten. „Eltern und Kinder, die selbst ins Facebook-Alter kommen, müssen sensibilisiert werden“, sagt Jörg Taubner. (flk)

Kontakt: Medienzentrum Hersfeld-Rotenburg, Telefon 0 66 23 / 8 17 38 20.

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