Existenznöte, ein Festspiel-Ritual und Widersprüche

Karl

Die prekäre finanzielle Situation der Stadt Bad Hersfeld, wo der Haushalt 2014 nach dem Ausfall von mehr als sieben Millionen Euro Gewerbesteuer praktisch neu aufgestellt werden muss, hat bereits konkrete Auswirkungen: Da die städtischen Zuschüsse im Februar ausgeblieben sind, sind die Vereine und Institutionen in ihrer Existenz bedroht, die mit diesem Geld auch Löhne und Gehälter bezahlen müssen. Das betrifft beispielsweise das Buchcafé, das Frauenhaus oder Pro familia. Zwar wird im Rathaus über Härtefallregelungen gesprochen, doch passiert ist noch nichts. Bleibt nur zu hoffen, dass auch vor der Rückkehr von Bürgermeister Thomas Fehling aus dem Urlaub eine Entscheidung getroffen werden kann. Fehling hat sich in diesen schwierigen Zeiten für zwei Wochen in die Karibik verabschiedet.

Die Journalistenfrage nach dem Stand des Vorverkaufs ist ein wiederkehrendes Ritual, wenn die Bad Hersfelder Festspiele zur Pressekonferenz laden. Und ebenso rituell wehrt Intendant Holk Freytag ab, indem er Unwissenheit vorschützt, und reicht die Frage im besten Falle an die Mitarbeiter der Verwaltung weiter.

Von dort kam diesmal die erhellende Auskunft: Besser als im letzten Jahr. Mein Verständnis für diese Geheimniskrämerei ist immer noch sehr gering entwickelt und beschränkt sich darauf, dass schlechte Nachrichten eigentlich immer zur Unzeit kommen. Angesichts des Umstandes, dass die Einnahmen durch den Ticketverkauf Bestandteil eines öffentlichen Wirtschaftsplanes sind und am Ende ohnehin kommuniziert werden, ist das allerdings nur Verzögerungstaktik. Wenn sich die Zahlen jedoch positiv entwickeln – wie offenbar im Moment – dann kapiere ich nicht, warum das nicht entsprechend vermeldet und vermarktet wird: Fünf bis zehn Prozent mehr – so war intern zu hören – das ist doch richtig gut. Warum mag da keiner drüber sprechen, wo doch in unserer Medienwelt sonst jeder Pups zum Ballon aufgeblasen wird?

Deswegen hier zumindest von unserer Seite die gute Nachricht ganz unmissverständlich: Leute, Festspielkarten sind wieder gefragt und für einige Aufführungstermine sind sie auch schon knapp! Also nicht lange zögern und zugreifen!

Schwer zu verstehen ist auch das Verhalten von Haunetals Bürgermeister Stefan Euler. Wer krank ist, muss sich auskurieren und kann auch nichts dafür, das ist klar. Für seinen Wunsch, aus dem anspruchsvollen Amt auszuscheiden, gab er dann allerdings nicht gesundheitliche Gründe an, sondern fehlendes Vertrauen seitens der Gemeindevertreter. Und kaum haben diese mehrheitlich seinen Ruhestands-Antrag abgelehnt, lässt er verlautbaren, dass er nach seiner Genesung natürlich ins Rathaus zurückkehren werde. Auch hätten ihm einige Gemeindevertreter zwischenzeitlich ihr Vertrauen zugesichert; was nur zwei Tage zuvor noch ganz anders geklungen hatte ...

Sollte Euler tatsächlich ins Rathaus zurückkehren, wird er es jedenfalls mit Sicherheit nicht leichter haben, im Gegenteil. Auch bei den meisten Bürgern hat der 37-Jährige jedwedes Vertrauen verspielt. Mit uns möchte er übrigens schon seit Erscheinen des ersten Artikels über sein Fehlen nicht mehr sprechen.

Die Furcht vor Windkraftanlagen geht um in der Gemeinde Friedewald. So sollen auf dem Roteberg, westlich der Dreienberggemeinde gelegen, sieben Anlagen errichtet werden. Im Bereich der Gaishecke – Gemarkung Friedewald, Wildeck und Heringen – werden es 13 Anlagen sein und auf dem Waltersberg – im Dreieck zwischen Herfa, Lautenhausen und Unterneurode – werden zehn Anlagen geplant. Daher hat sich jetzt in Friedewald eine zunächst siebenköpfige Initiative für ein l(i)ebenswertes Friedewald gegründet.

Während einer Bürgerversammlung, an der in dieser Woche etwa 100 Bürger teilgenommen haben, stellten die Protagonisten die Windparkvorhaben der verschiedensten Investoren vor. Ziel ist es jetzt, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, um den eigenen Forderungen noch mehr Gehör verschaffen zu können. Da die Investoren ihrerseits bereits kräftig auf die Tube drückten, sei nun auch die Initiative gefordert, schnell weitere Ideen zu sammeln, wie die Windkraftanlagen vielleicht doch noch verhindert werden könnten. Oberstes Ziel sei dabei die Verzögerungstaktik, um vielleicht in Bayern angedachte Veränderungen auch in Hessen anwenden zu können. Ziel in Bayern ist es nämlich, eine Entfernung von zwei Kilometern zwischen einer Windkraftanlage und der Wohnbebauung hinzubekommen. In Hessen gelten derzeit noch 600 Meter.

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