Rotenburger Fernfahrer wegen versuchten Totschlags vor Gericht

Die Ex-Freundin fast erwürgt

ROTENBURG/FULDA. Weil sich seine frühere Freundin von ihm getrennt hatte, soll ein 45 Jahre alter Fernfahrer aus Rotenburg an einem Samstagabend im September 2010 versucht haben, die 51 Jahre alte Frau auf offener Straße zu erwürgen. Wegen versuchten Totschlags muss er sich seit Dienstag vor dem Landgericht Fulda verantworten.

Der Ablauf des Geschehens ist im Wesentlichen zwischen den Prozessbeteiligten unstrittig und wird auch vom Angeklagten nicht in Frage gestellt. Der Rotenburger erklärte allerdings, er könne sich an seine Tat nicht mehr erinnern.

Im Internet hatten sich der Fahrer und die Altenpflegerin, die damals in Dänemark lebte, im Mai 2010 kennengelernt. Danach trafen sie sich etwa 20 mal. Anfang September kam es über eine Kleinigkeit zum Streit: Vor einer gemeinsamen Fahrt von Rotenburg nach Dänemark war der Kofferraum ihres Autos zu klein, um das gesamte Gepäck des Angeklagten mitzunehmen. „Dann nimm deine Sachen und geh“, rief er ihr zu. Für ihn war das ein Scherz, für sie der Anlass, die Beziehung zu überdenken und am gleichen Tag zu beenden.

Am 18. September 2010 kam die 51-Jährige noch einmal nach Rotenburg, um ihm seine restlichen Sachen zu bringen. Er hatte sich jedoch Hoffnung auf eine Fortsetzung der Liebesbeziehung gemacht. Seine letzte Erinnerung sei gewesen, dass er sie nach ihrer Ankunft gegen 19.40 Uhr umarmt habe. Dann habe er aber gesehen, dass sie seine Kette und seinen Ring nicht getragen habe. „Darauf bin ich sehr wütend geworden. Danach weiß ich nichts mehr. Meine Erinnerung setzt erst wieder ein, als ich in die Psychiatrie in Bad Hersfeld gebracht wurde“, erklärte er. Wegen „gestörter Impulskontrolle“ blieb er drei Wochen in der geschlossenen Abteilung. Nach ihrer Schilderung hätten sich beide Beteiligten vor dem letzten Treffen per E-Mail geeinigt, dass die Beziehung vorbei gewesen sei.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Rotenburg habe er die Autotür aufgerissen und habe versucht, sie zu küssen. Als sie das ablehnte, habe er sie gleich geschlagen und dann mit beiden Händen gewürgt. Als sie um Hilfe rief, habe er sie zunächst wieder losgelassen. Der Hilfeschrei machte einen 46 Jahre alten Pflege-Assistenten aus der Nachbarschaft aufmerksam, der zu dem Auto eilte. „Geschlagen wird hier nicht“, rief er und schien den Fernfahrer damit erst einmal zu beruhigen.

Von Volker Nies

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