Chorverein erinnert mit Konzert an die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy

Das ewige Licht vor Augen

Unterhaltsam: Gemeinsam mit den Frankfurter Sinfonikern wagten sich die Sängerinnen und Sänger des Bad Hersfelder Chorvereins einmal mehr an ein selten aufgeführtes Werk des saarländischen Komponisten Robert Carl heran. Inspiriert wurden sie von ihrem souverän agierenden Chorleiter Helgo Hahn. Fotos: Apel

BAD HERSFELD. Novembertage sind stille Tage. Ein bis heute, zumindest in der älteren Generation, fest verankerter stiller Tag ist der Volkstrauertag. Für den Chorverein Bad Hersfeld immer wieder Anlass, der Toten der Weltkriege und der Opfer von Terror und Gewalt in musikalisch ausgesprochen eindrucksvoller Weise zu gedenken.

Nach Mozarts „Requiem“ im Jahre 2010 und Jenkins’ „Stabat Mater“ in den beiden zurückliegenden Jahren wagten sich die Sängerinnen und Sänger, inspiriert von ihrem souverän agierenden Chorleiter Helgo Hahn, in der gut besuchten Stadtkirche gemeinsam mit den Frankfurter Sinfonikern einmal mehr an ein selten aufgeführtes Werk des saarländischen Komponisten Robert Carl. Der 1987 Gestorbene hatte unter dem Eindruck der heimtückischen Ermordung des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, die sich am 22. November zum 50. Mal jährt, ein Requiem über den Text der lateinischen Totenmesse komponiert und dieses dem Andenken des großen Demokraten gewidmet.

In neun Sätzen entwickelt Carl seine Auffassung vom Tod als Erneuerung des nunmehr neuen, ewigen Lebens. Was feierlich ruhig beginnt, wird mit einem Paukenmotiv, dem „rhythmischen Herzschlag“, immer vielgestaltiger und vielstimmiger, um am Ende des ersten Satzes in das Kyrie Eleison („Herr erbarme dich“) zu münden.

Kraft und Zuversicht

Im zweiten Satz, in dem der Tenor Thomas Kiessling auf der Kanzel des Gotteshauses als Solist in Erscheinung trat, wird die amerikanische Nationalhymne zitiert, eine Reminiszenz an John F. Kennedy. Zunächst in düsterem Moll, später – nach einem musikalischen Dialog von Solist und Chor, in dem die Aussicht der „ewigen Ruhe“ nach irdischer Mühsal durchscheint – in festlich strahlendem Dur. Auch im dritten, „Domine Jesu Christe“ überschriebenen Satz verwandelt sich Hoffnungslosigkeit in Kraft und Zuversicht, groß angelegt und immer strahlender vorgetragen von Chor und Orchester.

Es folgen Hostias und Praefatio mit dem Wechselgesang zwischen Solist als Priester und Chor als Gemeinde und mit einem Solo des Tenors, das zum Sanctus überleitet, das der Chor mit einem mächtigen Lobgesang beschließt: „Himmel und Erde sind erfüllt von Deiner Herrlichkeit. Hosanna in der Höhe!“ Auch im Benedictus („Hochgelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn“) tritt der Solist in einen Dialog mit dem Chor. Dabei werden entrückte Klänge auf irdische Dimensionen zurückgeführt, ehe der Satz in weichem Piano endet. Das Agnus Dei schließlich leitet nahtlos über in den letzten Satz, in dem um das ewige Licht und die ewige Ruhe gebeten wird, hier wie in allen Sätzen ausdrucksstark vorgetragen von einem großartigen Chor und einem nicht minder überzeugenden Thomas Kiessling.

Als das Orchester zum Motiv des Anfangs zurückfindet, der „Herzschlag“ einsetzt und in einem lange ausgehaltenen Akkord endet – die ewige Ruhe erreicht ist – verharren Chor, Orchester und Publikum ergriffen in Andacht. Die 742 Jahre alte Osterglocke der Kirche läutet. Dankbarer, anhaltender Applaus für die beeindruckende Aufführung eines hörenswerten Werkes mit Tiefgang.

Von Wilfried Apel

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