Rabbi Wittenberg trug es von Frankfurt über Bad Hersfeld nach Nord-London

Das ewige Licht ist angekommen

In London Finchley: Rabbi Jonathan Wittenberg und seine 88-jährige Mutter Isca Salzberger-Wittenberg. Über ihnen das brennende Ewige Licht. Foto: Renata v. Trott

London. Isca Salzberger-Wittenberg, 88-jährige rüstige Tochter des ehemaligen Frankfurter Rabbiners Dr. Georg Salzberger, zündete das Ewige Licht, das Ner Tamid, vor der Heiligen Lade in dem anfangs nahezu dunklen, neuen Raum der New North London Synagogue (London-Finchley) an. Was hat dies mit Bad Hersfeld zu tun?

„Es werde Licht!“ könnte die Vision von Rabbi Jonathan Wittenberg überschrieben sein, der am 4. November 2010 auch im Bad Hersfelder Johann Sebastian Bach-Haus -–auf Einladung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit und der Musischen Bildungsstätte – über die Idee „Carrying the Flame“ und seine 14-tägige Pilgerfahrt und Fußwanderung von Frankfurt a.M. nach Finchley (im Norden Londons) sprach (HZ v. 11. Nov. 2010). Sein braver Mischlingshund Mitzpah hatte ihn begleitet, ebenso ein Filmteam von BBC.

Die Reise begann mit der 100-Jahresfeier der Frankfurter Westend-Synagoge. In dieser hatte sein Großvater Dr. Salzberger (1882-1975) fast dreißig Jahre als Rabbiner gewirkt, bis er in der Novemberpogromnacht 1938 nach Dachau verschleppt wurde. Erst nach mehreren Wochen wurde er wieder freigelassen, auch dank seiner beherzten Frau Nathalie Charlotte (1892-1988), die sofort die Ausreise nach Großbritannien beantragt hatte.

Im September 1950 wirkte Georg Salzberger dann bei der feierlichen Wiedereröffnung der Frankfurter Westendsynagoge mit. Und er erzählte seinem Enkel Jonathan (geb. 1953 in Glasgow), dass das ewige Licht im Innenraum der zerstörten Synagoge auch in der Kristallnacht nicht erloschen sei.

Jonathan Wittenberg nahm im November 2010 die Flamme von diesem Licht aus der Frankfurter Westendsynagoge mit zu seiner neu erbauten Synagoge in London Finchley. (Das Licht trug er aus Sicherheitsgründen in einer immer rechtzeitig wieder aufgeladenen brennenden Taschenlampe.)

Bei der Feier erzählte Rabbi Wittenberg von seiner weiten Wanderung durch Deutschland mit dem Licht, begleitet von Mitzpah. Und er erwähnte dabei auch Adam v. Trott, hingerichtet 1944 als Widerstandskämpfer, bei deren Bauhäuser Bruderfamilie er Aufnahme gefunden hatte im vergangenen November.

Auch von dem „Kreuz auf der Imshäuser Höhe“ sprach er, das Adams Brüder Werner und Heinrich nach dem Krieg zu seinem Gedenken errichtet hätten – es hatte Wittenberg tief beeindruckt.

Mutter half Kindern

Auch „die Mutter“ hob er hervor. Die junge deutsche Frau, die versuchte, jüdische Kinder zu retten, indem sie die Ausreise nach England vermittelte. Jonathan Wittenberg erwähnte auch die Imshäuser Mutter, die zu den Bewachern der Judentransporte am Bebraer Bahnhof sagte: „Geben Sie den Kindern doch etwas zu trinken!“, worauf ein SS-Mann sich verzweifelt von ihr abgewandt und gesagt habe: Lassen Sie mich in Ruhe. Ich kann nicht mehr.“

Die Feier klang aus mit einer Führung durch die weitläufigen hellen Räume, in denen auch ein Kindergarten für 80 Kinder Platz gefunden hat.

Von Renata von Trott

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