Bad Hersfelder Handwerksbetrieb feiert offiziell sein 125-jähriges Bestehen

Ewig polstert Meister Otto

Eingeschworenes Team: Adolf Otto präsentiert die Urkunde zum 125-jährigen Bestehen mit seiner Frau Marianne. Foto: Backovic

Bad Hersfeld. Polstermeister Adolf Otto sitzt in der Werkstatt auf seinem Lieblingssessel. Der Tisch neben ihm ist reich mit Schnittchen und Sektgläsern bestückt. Um den 78-jährigen Handwerker versammelt sich ein Dutzend Gäste, um mit ihm anzustoßen. Der Grund für die muntere Feier ist das Firmenjubiläum. Seit 125 Jahren gibt es den Familienbetrieb in der Bad Hersfelder Johannesstraße.

Gestern bekam der stadtbekannte Kult-Handwerker die Jubiläumsurkunde. Arno Schöter von der Kreishandwerkerschaft Hersfeld-Rotenburg überreichte ihm offiziell das Dokument der Handwerkskammer Kassel. „Auch Bürgermeister Boehmer kam zum Gratulieren“, sagt Otto und gönnt sich einen Schluck Orangensaft.

Meister Otto dreht sich in die Runde und erzählt seinen Gästen, wie alles begann. „1885 gründete mein Großvater die Sattlerei und Polsterei. Damals gab es nur drei Stoffe für die Polster. Heute sind es mindestens dreitausend“, erklärt er. Ottos Opa gab den Laden 1936 an Ottos Onkel ab. „Ich bin bei meinem Onkel in die Lehre gegangen und war dann Geselle im Betrieb. Nach dem fünften Gesellenjahr habe ich die Meisterprüfung gemacht“, erinnert sich Otto. Seit dem 1. Oktober 1955 ist Adolf Otto der Chef der kleinen Firma – bis heute.

Wer denkt, Otto beaufsichtige inzwischen nur die Arbeiten, irrt. Er macht alles selbst und hat keine Mitarbeiter. „Ich habe immer noch Spaß an meinem Beruf. Außerdem wäre es mir sonst zu langweilig“, sagt er. Ein Mensch hat ihm allerdings immer unter die Arme gegriffen: „Meine Frau Marianne hat mir all die Jahre zur Seite gestanden.“

Einen Computer als Abrechnungshelfer hat Otto bis heute nicht. „Den habe ich hier“, sagt er lachend und tippt sich mit dem Zeigefinger gegen die Schläfe. Wie viele Stühle und Sofas Otto noch aufpolstern wird, ist ungewiss: „Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wie lang ich das noch machen werde.“

Von Dorothea Backovic

Kommentare