Opernfestspiele – Hugo Wieg inszeniert Verdis Meisterwerk Rigoletto – Premiere heute

Ewig bin ich dein

Verdis Oper „Rigoletto“ hat heute Abend Premiere in der Stiftsruine. Beginn ist um 20.30 Uhr. Unser Bild zeigt eine Szene am Hof von Mantua mit Rigoletto (Martin Kronthaler) im Vordergrund. Foto: Hartmann

Bad Hersfeld. „Verdi gesungen habe ich sehr viel. Aber Rigoletto ist tatsächlich die erste Verdi-Oper, die ich inszeniere“, erklärt Hugo Wieg. Obwohl die Probenarbeit durch das schlechte Wetter beeinträchtigt war, hatten er und das Ensemble viel Spaß und wollen heute die Premiere „in aller Ruhe über die Bühne bringen“.

Große Bühne ist der Reiz

„Die große Bühne ist der Reiz“, begeistert sich Hugo Wieg und schwärmt von dem Moment in der Stiftsruine, an dem der Tag in den Abend übergeht. Diese einmalige Atmosphäre genießt er schon seit Jahren, denn bei den Bad Hersfelder Opernfestspielen hat er bereits mit den Inszenierungen von „Die Hochzeit des Figaro“, „Hänsel und Gretel“, „Die Zauberflöte“ und „Der Barbier von Sevilla“ Erfolge gefeiert. Die möchte er mit der Inszenierung von Rigoletto fortsetzen, getragen von einem hochkarätigen Ensemble, den Virtuosi Brunensis, dem musikalischen Leiter Michael Stolle, den Balletttänzerinnen der Tanzschule Michèle Meckbach, den weiblichen Statisten und den männlichen Chormitgliedern des Frankfurter und Marburger Konzertchores sowie des polnischen Bachchores, die er als hervorragend und sehr diszipliniert erlebt.

Voll des Lobes ist der Regisseur auch für die junge, „unheimlich begabte“ Nachwuchssängerin Sujin Lee, die die Rolle der Gilda übernimmt. Gilda, die Tochter des Hofnarren Rigoletto, vom Vater eingeschlossen und damit nicht fähig, zu entscheiden, was für sie richtig ist. „Du bist mein einziges Glück“, bedrängt Rigoletto sie und das ist ein erster großer Schwachpunkt des Hofnarren, der sich über die Opfer des Herzogs von Mantua sowie deren gehörnte Ehemänner und entsetzte Väter lustig macht und sie mit beißendem Spott demütigt. „Rigoletto stellt sich nicht der Wahrheit. Bei ihm sind alle anderen schuld, nur er nicht“. Damals wie heute gilt: „Aus den eigenen Konflikten heraus entstehen Belastungen für andere“.

Blick in die Augen

Martin Kronthaler verkörpert die anspruchsvolle Rolle des Hofnarren. „Er ist durch und durch Profi“, lobt Hugo Wieg den Bariton. Auch ihm schaut der Regisseur bei den Stellproben in die Augen, um zu erfahren: „Wo ist der andere gerade?“

Wer Regie führt, muss einen Nerv für Menschen haben. „Erziehung und Moral ist wichtig und der Kern des Stückes“, erläutert Wieg und stellt den Vergleich mit „Don Giovanni“ her. Giovanni sucht den sexuellen Moment, nicht den Menschen. Der Herzog ist in Gilda verliebt. Es ist eine so starke, bedingungslose Liebe, dass er „drei Monde“ nicht an sie rangeht. Er lässt diese Einmaligkeit zu. „Ewig bin ich dein“ – das Versprechen auf Erden ist im Himmel das Seligkeitsversprechen.

„Die Musik bringt uns in andere Sphären. Wenn dann eine Transzendenz entsteht, kann man die nicht konservieren“, weiß der Regisseur und empfiehlt, „den Augenblick ernst zu nehmen“. Auch den Augenblick, in dem der Herzog und Gilda beim Liebesduett respektvoll Abstand halten. „Wenn ich einen Menschen wirklich liebe, bin ich kein Klammeräffchen. Nähe reicht“.

Von Gudrun Schmidl

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