Konzert mit Henja Semmler und Sebastian Bethge

Eule und Violine gaben sich die Ehre

Die Violinistin Henja Semmler und Sebastian Bethge an der Orgel eröffneten die Reihe „In Begleitung der Eule“ in der Stadtkirche. Foto: Janßen

Bad Hersfeld. Ungewohnte Perspektiven eröffneten sich dem sehr konzentriert zuhörenden Publikum beim ersten Konzert der neuen Reihe „In Begleitung der Eule“ in der Stadtkirche: Die besten Plätze waren die, bei der das Publikum ausnahmsweise mit dem Rücken zum Altar saß. Dadurch öffnete sich der Blick auf den neu gebauten Steg, mit dem nicht nur ein neuer, eleganter Zugang zur großen Orgel geschaffen wurde. Wie gut sich der Steg auch als Platz für Solisten eignet, wurde in diesem Konzert auf eindrucksvolle Weise demonstriert.

Mit Werken des Barock, der Spätromantik und der Moderne spannten der Bad Hersfelder Kantor Sebastian Bethge (Orgel) und seine Kammermusikpartnerin Henja Semmler aus Berlin (Violine) eine weiten musikalischen Bogen und es gelang ihnen dabei in der Stadtkirche trotz der Größe des Raumes eine kammermusikalisch-intime Atmosphäre zu erzeugen.

Präzises Zusammenspiel

Mit hervorragender Klangbalance zwischen beiden Instrumenten, präzisem Zusammenspiel und lebendiger Interpretation der sehr unterschiedlichen Werke zogen Semmler und Bethge das Publikum sichtlich in ihren Bann. Als ausgesprochen reizvoll erwies sich dabei auch die Zusammenstellung des Programms. Neben drei barocken Werken von Heinrich Ignaz Biber und Georg Friedrich Händel boten sie eine ursprünglich für Orchester komponierte Tondichtung von Max Reger, eine Sonate des tschechischen Komponisten Leos Janácek sowie ein modernes Stück des erst 1991 verstorbenen Komponisten Ernst Krenek dar.

Insbesondere die Transkription des von Reger nach dem Eindruck eines Bildes des symbolistischen Malers Arnold Böcklin entstandenen Stückes „Der geigende Eremit“ bildete neben der Sonate Janáceks, die neben ihrer insgesamt in die Moderne reichenden Tonsprache auch ein sehr eigenes „tschechisches Pathos“ hören ließ, einen besonderen Höhepunkt im insgesamt sehr anspruchsvollen Konzertprogramm.

Glasklare Intonation

Semmler spielte mit großer Klarheit, glasklarer Intonation und farbigem, leuchtendem Timbre. Aufgrund der exponierten Position der Solistin auf dem Steg waren auch leise und zarte Passagen immer optimal zu hören. Das Orgelspiel Bethges, das vor allem in den neueren Werken über eine reine Begleitung weit hinausging, tat sein Übriges: Mit geschmackvoller und einfühlsamer Registrierung demonstrierte er die klanglichen Möglichkeiten seines Instrumentes, das sich sowohl für die älteren als auch für die neueren Werke als ausgesprochen geeignet erwies. Insbesondere der geschickte Einsatz des Schwellwerkes produzierte sehr interessante Klangeffekte.

Einen interessanten und aufschlussreichen klanglichen Akzent setzte Henja Semmler auch dadurch, dass sie die barocken Werke auf der insgesamt weicher und obertonreicher klingenden Barockvioline spielte. Insbesondere die sehr virtuos und ohnehin polyphon angelegten Sonaten Bibers gewannen dadurch eine sehr eigene, leicht herb wirkende Farbe, die ausgesprochen gut mit den auf dem modernen Instrument gespielten Werken kontrastierte. (uj)

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