Die Oper in der Stiftsruine beginnt am 5. August mit Millöckers „Bettelstudent“

Erstmals eine Operette

Vier für die Oper: (von links) Anton Saris singt den Florestan in Beethovens Oper „Fidelio“, Rainer Wenke führt Regie bei der Operette „Der Bettelstudent“ von Carl Millöcker. Darin spielt und singt Gunther Emmerlich den Oberst Ollendorf. Hugo Wieg wird den „Fidelio“ inszenieren. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Gunther Emmerlich ist zurück in der Stiftsruine. Der berühmte Opernsänger wird in diesem Jahr den Oberst Ollendorf in Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“ spielen. Vor zwei Jahren war er bereits in der Sprechrolle des Bassa Selim in Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ zu sehen und zu hören.

Der Bettelstudent ist sowohl für Emmerlich als auch für die Oper in der Stiftsruine eine Premiere. Erstmals wird zu den Opernfestspielen mit einer Operette leichtere Kost präsentiert. Und Emmerlich, der vor allem Opern gesungen hat, freut sich, diese Rolle erstmals spielen zu dürfen. „Das ist eine komödiantische, schöne Aufgabe“, freut er sich. Der Ollendorf sei zwar nicht unbedingt sympathisch, räumt er ein, „aber auch nicht total unsympathisch“, ergänzt er und lässt seinen Charme sprühen.

Von der musikalischen Qualität der Operette ist Emmerlich auf jeden Fall überzeugt: „Jedes musikalische Teil ist eine Perle“, schwärmt er.

Regisseur Rainer Wenke hat bereits Aida, Carmen und Nabucco in der Stiftsruine inszeniert. Er ist überzeugt davon, dass das Bad Hersfelder Opernpublikum das Experiment Operette gut annehmen wird. Die Vorverkaufszahlen geben ihm recht. Die öffentlichen Generalproben und die Premieren beider Stücke seien ausverkauft, weiß Gunther Emmerlich.

Ruine nicht zubauen

Wenke hat großen Respekt vor der grandiosen Kulisse der Stiftsruine: „Die darf man nie verwechseln mit einer Theaterbühne und mit Kulissen zubauen“, betont er. Ganz bewusst arbeitet er deshalb mit wenigen Requisiten, die als Zeichen dienen: Ein paar Stühle und ein Tisch symbolisieren ein Zimmer, ein Marktstand steht für den ganzen Markt.

Auf die unverstellte Ruine setzt auch Hugo Wieg, ebenfalls seit vielen Jahren Hersfeld-erfahren. Neu ist für ihn jedoch der „Fidelio“, zumindest als Regisseur. Bisher hat er die Oper nur gesungen. „Die Ruine ist ideal für den Fidelio“, ist Hugo Wieg überzeugt. „Da ist überall von Gott die Rede.“

In Beethovens Oper gehe es um die Frage von Freiheit und Diktatur, auch an die eigene Person gerichtet: „Wieviel Freiheit gebe ich anderen? Bin ich selbst ein Diktator?“, erläutert Wieg.

Die Rolle des Florestan hat Anton Saris übernommen. „Die Stiftsruine ist fantastisch und die Akustik hervorragend“, schwärmt er. Das bestätigt auch Gunther Emmerlich: „Wir freuen uns drauf, hier ohne Mikrofone zu singen. Wir haben ausgebildete Stimmen, wir können das“, sagt er augenzwinkernd mit einem kleinen Seitenhieb auf die Bad Hersfelder Festspiele, die in diesem Jahr erstmals bei allen Stücken auf technische Verstärkung gesetzt haben.

Zu den Verwerfungen zwischen Oper und Festspielen und dem Aus für die Oper äußern sich Regisseure und Sänger nicht. Ihnen geht es zunächst einmal darum, in diesem Jahr gute Inszenierungen auf die Beine zu stellen und die Zuschauer zu unterhalten.

Von Christine Zacharias

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