Schüler diskutieren über Liebesbriefe – Mädchen sind romantisch, Jungs pragmatisch

Der erste ist der schönste...

Bad Hersfeld. Kitschig oder romantisch? Altmodisch oder zeitlos? Liebesbriefe wurden schon im 18. Jahrhundert geschrieben, sie sind Gegenstand der Literatur- und Kommunikationswissenschaft und im Zeitalter von SMS und Online-Dating finden sich im Internet zahlreiche Anleitungen zum Verfassen eines solchen Briefes, der Zuneigung ausdrücken soll.

Ganz aus der Mode gekommen zu sein scheint die schriftliche Liebesbotschaft also nicht. Wenngleich die Form sich heute wohl vom eher schwülstigen Schriftstück vergangenener Jahrhunderte unterscheidet...

„Es gibt doch SMS“

Bei den Schülerinnen und Schülern der Klasse R 8.1 an der Konrad-Duden-Schule von Deutsch-Lehrerin Andrea Exner führt das Thema Liebesbriefe erstmal zu lautem Gegröle – vor allem bei den Jungs. „Man kann sich doch SMS schreiben oder auf Facebook“, meint einer der jungen Herren im Alter von 13 bis 15 Jahren, der sich scheinbar uninteressiert auf dem Stuhl lümmelt. Die Mädchen sehen das anders: Ein Brief sagt mehr als tausend sms.

Ihren ersten Liebesbrief habe sie in der siebten Klasse bekommen, erzählt ein Mädchen. Der Brief habe viel Text enthalten, war auf weißem Papier mit Blumen drauf geschrieben, und habe nach Parfüm gerochen. Und die Aktion war erfolgreich: „Mit dem Jungen war ich dann zusammen.“ Den Brief hat die 14-Jährige heute noch, er wird sorgfältig abgeheftet in einem Ordner aufbewahrt.

Eine Klassenkameradin weiß von einem bekannten Pärchen, das sich regelmäßig Kärtchen mit Liebesbotschaften schickt, eine andere berichtet von ihren Eltern, die sich früher viele Briefe geschrieben haben, und die heute noch zuhause in einer Kiste aufbewahrt werden. „Voll süß“, meinen die Mädchen. Die Jungen halten sich mit (ernsten) Kommentaren zurück.

Was in der Klasse zunächst nur zögerlich diskutiert wurde, wird nach dem Unterricht in kleiner Gruppe aber doch noch zum großen Thema. Sogar von den Jungs hört einer interessiert zu. Und gibt schließlich zu: Freuen würde er sich über einen Liebesbrief schon. Eines der Mädchen meint nüchtern: „Die Jungs sind alle zu schüchtern und haben keine Ahnung.“

In einer achten Klasse des Gymnasialzweigs wird mit weniger Gekicher über das Thema Liebesbriefe gesprochen – allerdings in getrennten Gruppen. Die Mädchen geben bereitwillig Auskunft. Erst gestern habe sie einen Liebesbrief bekommen, berichtet eine Schülerin. „Da fühlt man sich geschmeichelt.“ Ihr erster Brief war es nicht, trotzdem findet sie es niedlich und mutig. Bei den Jungen geht es zurückhaltender zu, doch auf Nachfrage rücken sie mit der Sprache raus. Einige haben schon Briefe bekommen, beim Selbstschreiben sind die Jungs passiver.

Einig waren sich jedenfalls fast alle in einem: Briefe sind immer schön, aber der erste Brief ist der schönste.

Von Nadine Maaz

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