HZ-Jubiläums-Radtour: Kai A. Struthoff erlebt dolle Steigungen und dolle Dörfer

Der erste Tag ohne Geld

Kartoffelköpfe unter sich: Im Oberaulaer Ortsteil Hausen kommt Kai A. Struthoff an einer hübsch gestalteten Figurengruppe vorbei, die Werbung für das Kartoffelfest am 3. Oktober machen soll. Foto: Struthoff

Oberaula. Offenbar mögen auch die Wespen meinen neuen, knallgelben Fahrradhelm. Als ich nach meiner Mittagspause am Silbersee den Helm aufsetzen wollte, stach sie zu. Autsch! Meine Kollegen hatten vor der Fahrt noch gesagt, ich wäre ja nicht auf den Kopf gefallen und sollte deshalb unbedingt einen Helm tragen, damit das auch so bleibt. Und dann das. Eigentlich sollte das Ding meinen Kopf schützen...

Aber vielleicht lag es daran, dass ich danach wie angestochen über die Berge nach Machtlos gesaust bin - dieses malerische Dorf, das sich tief ins Tal kauert. Erst lange rauf, dann mit 13 Prozent Gefälle ins Tal. Danach ab Ibra wieder rauf. Das dolle Dorf hat auch dolle Steigungen.

Ehrensache, dass ich danach auf auf dem Golfplatz in Oberaula vorbei geschaut habe. Schließlich erinnere ich mich gern an das Schnuppergolfen für Journalisten. Leider hatte Golftrainer Andrew McQueen seinen sicher wohlverdienten freien Tag. Aber so ein paar Abschläge hätten mir als Kontrastprogramm sicher gut getan.

Im Rathaus von Oberaula wartete schon Bürgermeister Klaus Wagner. Er hatte extra einen Zettel an die Tür gemacht: Herr Struthoff – Zimmer 7! Der Bürgermeister empfing mich mit leckeren Bio-Pfirsichen, Wasser – und einem Ortsplan. Im Gespräch zeigte er sich sehr froh darüber, dass Oberaula jetzt eine eigene Rettungswache hat – wünschte mir freilich, dass ich sie nicht brauche.

Na, ganz so schlimm war der erste Tag auf dem Rad trotz Wespe nicht. Dafür zischte dann das erste Bier in meinem Nachtquartier „Zum Stern“ ganz ordentlich. Hotelchefin Elke Lepper nahm sich viel Zeit zum Plaudern, obwohl ihr behagliches Haus gut besucht war. Aber sie hat auch ein gute Team hinter sich. Passend zu meinem Geburtsjahr wohnte ich in Zimmer 63. Kurz meine schwitzigen Klamotten durchstuken mit Rei in der Tube – schließlich reise ich mit leichtem Gepäck - und dann lag ich schon selber im warmen Schwimmbad. Zum Abendessen gab es dann Lammrücken in Kräuterkruste – ein Gedicht und danach Rotkäppchen-Schnaps für süße Träume. So lässt es sich auch ohne Geld reisen – denn an meinem ersten Tag im Sattel habe ich keinen Cent ausgegeben, aber dank vieler netter Menschen noch genug für ein Picknick in der Sonne in meinen Packtaschen!

Von Kai A. Struthoff

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