Montagsinterview mit Dieter Pfaff, Jürgen Richter und Dr. Bardo Kürten vom Rettungsdienst

Erste Hilfe per Telefon

Hier wird der Rettungsdienst koordiniert: hinten von links Dieter Pfaff, Dr. Bardo Kürten und Jürgen Richter in der zentralen Leitstelle des Landkreises. Vorne Leitstellen-Disponent Lars Bartholmai. Foto: Eisneberg

Hersfeld-Rotenburg. Wenn bei einem Kreislaufstillstand bei der Zentralen Leitstelle des Landkreises der Rettungsdienst angefordert wird, bleibt ein Rettungsfachmann am Telefon und sagt dem Hilfesuchenden, was zu tun ist, bis Hilfe eintrifft. Der Schwalm-Eder-Kreis führt dieses Verfahren derzeit ein.

Im Kreis Hersfeld-Rotenburg wird es bereits seit sechs Jahren praktiziert. Jan-Christoph Eisenberg sprach aus diesem Anlass mit Leitstellen-Disponent Jürgen Richter, Dr. Bardo Kürten, dem ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes, und Dieter Pfaff, Leiter des Fachdienstes Rettungsdienst, über ihre Erfahrungen mit der sogenannten telefonischen Reanimation.

Telefonische Reanimation – was genau muss man sich darunter vorstellen?

Jürgen Richter: Wenn sich während der Notrufabfrage herausstellt, das der Patient einen Herz-Kreislauf-Stillstand hat, weist das Leitstellenpersonal über Telefon den Ersthelfer gezielt an, am Patienten die Herzdruckmassagen durchzuführen, ihn flach zu lagern und ihm die Atemwege frei zu machen. So, wie man es im Erste-Hilfe-Kurs oder bei den „Lebensrettenden Sofortmaßnahmen“ erlernt hat.

Sie bleiben also am Telefon, bis der Rettungsdienst eintrifft?

Richter: Wir bleiben so lange am Telefon, bis die Kollegen vom Rettungsdienst den Raum betreten. Dann beendet sich das Gespräch meistens von alleine, weil dann aufgelegt wird. Das machen wir nicht bei jedem Notruf so, sondern nur, wenn wir merken, dass die Lage in der Wohnung oder an der Einsatzstelle es erfordert.

Wie ist es denn um die Erste-Hilfe-Kenntnisse der Anrufer bestellt?

Richter: Die „Lebensrettenden Sofortmaßnahmen“ am Unfallort müssen einmal beim Führerschein absolviert werden. Erste-Hilfe-Kurse werden auch nicht so oft besucht, wie man sich das wünscht. In der Notfallsituation sind die Leute froh, wenn sie an das erinnert werden, was sie mal gelernt haben. Die Aufregung überwiegt in diesem Moment ganz klar.

Vor sechs Jahren wurde das System eingeführt. Musste die Leitstelle dafür umstrukturiert werden?

Richter: Entscheidend ist, dass man mindestens mit zwei Disponenten in der Leitstelle ist. Alle Einsatzbearbeiter der Leitstelle verfügen über eine rettungsdienstliche Ausbildung, sind Rettungsassistent oder Rettungssanitäter. Ein Kollege kann sich ganz allein nur um diesen einen Notfall kümmern, und der andere kümmert sich weiter um den Regelbetrieb der Leitstelle. Wäre die Leitstelle nur mit einem Einsatzbearbeiter besetzt, wäre so etwas nicht immer möglich.

Hat sich das System bewährt?

Richter: Aus Leitstellensicht kann ich auf jeden Fall nur Ja sagen. Dr. Bardo Kürten: Ich weiß konkret lediglich von zwei Fällen, bei denen die Reanimation von Angehörigen durchgeführt wurde, bis der Rettungsdienst mit Notarzt vor Ort war, aber dadurch letztendlich kein Überleben zu erzielen war.

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