Satirische Nabelschau mit dem Kölner Kabarettisten Dieter Vollmer im Buchcafé

Erste Halbzeit mit 40

Selbst ist der Mann in den besten Jahren: Kabarettist Peter Vollmer. Foto: rödiger

Bad Hersfeld. Der Kölner Kabarettist Peter Vollmer hat inzwischen auch schon die 40 überschritten. Früher machte er sich selbst bei seinen Auftritten über jene Geschlechtskollegen lustig, die mit Anfang 40 zum zweiten Mal heiraten oder plötzlich regelmäßig ins Fitnessstudio pilgern.

Mit seinem neuen Programm „Wenn Männer zu sehr 40 werden“ gastierte er am Freitagabend im Bad Hersfelder Buchcafé und präsentierte seinem Publikum ein gelungenes „Best-of-Programm“, welches einen Querschnitt aus 15 Jahren Solokabarett sowie auch eine urkomische Bilanz seiner ersten Lebenshälfte darstellt.

Wohl aus aktuellem Anlass begann Peter Vollmer sein Programm mit dem Thema Ernährung. Er stellte fest, dass inzwischen neben Vegetariern und Veganern nun auch noch extremere Verzichtsvarianten bei der Ernährung existieren, mit denen er allerdings als „Scheißegalianer“ (oder einfach Allesesser) nichts am Hut hat.

Als Antwort auf den aktuellen Dioxinskandal hat er die alte 80er-Jahre-Protesthymne der Anti-Atomkraft-Bewegung „7 Tage lang“ von „Bots“ etwas umgedichtet. Er sang „Was wollen wir essen, sieben Tage lang...“

Scharfzüngig widmete er sich danach dem Thema Fitnesstraining.

Er erzählte von seiner uralten grauen Jogginghose, von der er sich einfach nicht trennen kann, vom guten Willen, auf seinem Heimtrainer etwas für den Körper zu tun, bevor dieser auf ewig weiter als Kleiderständer mißbraucht wird, und beschreibt mit diabolischem Grinsen den Vorbeizug des „Krampfadergeschwaders“ beim Nordic Walking auf dem Weg in die nächstgelegene Konditorei.

Er ist übrigens fest davon überzeugt, dass die Krankenkassen Nordic Walking nur deshalb empfehlen, damit die Generation, die später einmal keine neuen Hüftgelenke mehr bekommen wird, dafür schon einmal den Gang am Stock erlernen soll.

Geld macht geil

Und welche Lösungen hat die Politik gegen die Überalterung unserer Gesellschaft parat? Laut Peter Vollmer das staatlich verordnete Aphrodisiakum „Elterngeld“.

Vollmer denkt da weiter als der Gesetzgeber und stellt sich und dem Publikum die Frage, wo man denn nach Ablauf der 14 Monate Elterngeld die kleinen Kinder wieder abgeben darf.

Zwischen den einzelnen Programmpunkten schnappt sich Vollmer immer wieder seine Gitarre um höchst amüsante Lieder anzustimmen. In „Krückstock’n’Roll“ etwa besingt er eine „My Generation Party“ seiner eigenen Generation in 40 Jahren.

Beim Thema „Sex in der Ehe“ schwört er auf die vom Radsportdoping bekannten „Testosteron-Pflaster“.

In seiner Heimatstadt Köln ist das 40-Werden auch nicht leicht, denn während der Karnevalszeit braucht man laut Vollmer das Immunsystem einer Kanalratte, um diese Zeit gesund zu überstehen.

Überleben im Kühlen

Von seiner alten Kölner WG ist ihm Bio-Tamagotchi „Hermann, der Hefeteig“ noch gut in Erinnerung geblieben, den man wochenlang im WG-Kühlschrank künstlich am Leben gehalten hat.

Gegen Ende des Programms schnallte Peter Vollmer noch einmal die Gitarre um und sang einige Lieder, die er extra für Arztwartezimmer umgedichtet hat. Zusammen mit dem Publikum sang er laut „Pumpt denn der alte Herzmuskel noch?“, „Herzilein, du darfst nicht schwächlich sein!“, „Muss I denn zum Klinikum hinaus, nur mein Raucherbein bleibt hier“ sowie einige weitere ebenso deftige Parodien.

Das Bad Hersfelder Publikum honorierte Vollmers Darbietung mit tosendem Beifall und forderte lautstark Zugaben. Diese kamen dann auch prompt in Form weiterer höchst amüsanter Spottlieder.

Von Werner Rödiger

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