Zwei Syrer müssen sich nach Schlägerei in Rotenburg vor Gericht verantworten

Erst gepöbelt, dann „gekloppt“

Bad Hersfeld. Diesen Ausflug zum Angeln nach Rotenburg werden zwei Dietzenbacher so schnell nicht vergessen. Was mit einer anschließenden Kneipentour in der Stadt an der Fulda begann, endete mit einer heftigen Schlägerei, in deren Verlauf zwei Personen schwer verletzt wurden.

Wegen gemeinschaftlicher, gefährlicher Körperverletzung müssen sich nun zwei Syrer aus Bebra vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Bad Hersfeld verantworten. Den heute 25 und 27 Jahre alten Männern wird vorgeworfen, in der Nacht zum 9. September 2012 ein Pärchen aus Dietzenbach beleidigt und den Mann geschlagen und getreten zu haben, der am Boden liegend unter anderem einen Nasenbeinbruch, Augenhöhlenbrüche, eine Gehirnerschütterung und Prellungen erlitt. Einer der mutmaßlichen Angreifer wurde bei der Auseinandersetzung ebenfalls verletzt. Er erlitt mehrere Schnitt- und Stichverletzungen, die ihm das Opfer – das in dem Prozess als Nebenkläger auftritt – offenbar mit einem Klappmesser zugefügt hat, das er noch vom Angeln dabei gehabt habe.

Im „Broadway“ getroffen

Nachdem sie zuvor „Stress“ an der Discothek „Las Vegas“ gehabt hatten, waren die beiden Angeklagten zusammen mit weiteren Kumpels in der Kneipe „Broadway“ gelandet. Dort standen auch der heute 31-jährige Dietzenbacher und seine 37 Jahre alte Freundin an der Theke. Darüber herrschte am ersten Verhandlungstag mit zehn Zeugen gestern noch Einigkeit. Über den weiteren Verlauf machten die Beteiligten unterschiedliche Angaben.

Laut der beiden Dietzenbacher sei der Jüngere der beiden Angeklagten von Anfang an aufdringlich und leicht aggressiv gewesen. Außerdem habe er unbedingt Armdrücken machen wollen. Nur um Ärger aus dem Weg zu gehen, habe er eingewilligt und anschließend habe man sich die Hand gegeben, schilderte der Nebenkläger den Beginn des Geschehens. „Ich weiß bis heute nicht, warum das passiert ist“, so der 31-Jährige, der immer noch unter Sehstörungen und Schwindel leide.

Wegen der „gereizten“ Stimmung habe das Pärchen die Kneipe dann gegen 4.30 Uhr verlassen, die Angeklagten kamen hinterher und der 25-Jährige bepöbelte auch laut einer weiteren Zeugin, die das Geschehen zufällig vom Marktplatz aus mitbekam, die Dietzenbacher mit „Hurensohn“. Als die Frau „selber“ gerufen habe, habe sie der 25-Jährige heftig geschubst, und alles nahm seinen Lauf. „Die haben richtig draufgekloppt“, sagte die Zeugin, die auch die Polizei und einen Krankenwagen rief.

Während der jüngere Angeklagte gestern schwieg, gab dessen zwei Jahre älterer Onkel seine Beteiligung zu. Allerdings schilderte er die Situation anders. Er habe die Streithähne nur beruhigen und trennen wollen, noch im Stehen habe der Dietzenbacher ihn „geboxt“, und als er Blut am Kopf bemerkt habe, wollte er sich nur verteidigen: „Ich dachte, ich muss sterben.“ Der 27-Jährige erlitt unter anderem eine zehn Zentimeter lange Schnittwunde am Hinterkopf.

Darüber wie und wann der Dietzenbacher mit dem Messer zugestochen haben konnte, herrschte gestern Uneinigkeit. Fortgesetzt werden soll die Verhandlung am Freitag. (nm)

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