Schöffengericht verurteilt 61-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Betruges zu Freiheitsstrafe

Erspartes der Ehefrau verspielt

Bad Hersfeld. Schulden in Höhe von 80 000 Euro, eine kaputte Ehe, ein Sohn, der nichts mehr von ihm wissen will und nun eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt wurde – das sind die Folgen, die ein 61-Jähriger aus Bad Hersfeld tragen muss, nachdem er zehn Jahre lang mit erheblicher krimineller Energie seine Frau um ihre Ersparnisse gebracht hat. Gestern musste er sich vor dem Schöffengericht in Bad Hersfeld verantworten.

Der Angeklagte war vor 30 Jahren zur Behandlung seiner Alkoholsucht nach Bad Hersfeld gekommen und hatte hier seine Frau kennengelernt. Wie und wann er spielsüchtig wurde, konnte er dem Gericht nicht sagen. Irgendwann erlag er dem Reiz der Geldspielautomaten. Mit glaubhaften Begründungen war er über viele Jahre abends unterwegs, um in irgendeinem Lokal in der Region die Maschinen mit Münzen zu füttern und auf sein Glück zu hoffen. 200 bis 300 Euro verspielte er pro Tag.

Fondsanteile verkauft

Die Geldbeschaffung wurde so sehr bald zu seinem Hauptproblem, erzählte der dem Schöffengericht unter Vorsitz von Michael Krusche. Er nahm Kredite auf den Namen seiner Frau auf. Er belieh ihre Lebensversicherung, kündigte eine zweite und verkaufte schließlich Fondsanteile seiner Frau. Für jede dieser betrügerischen Transaktionen fälschte er ihre Unterschrift.

Dass seine Frau weder von seiner Spielsucht noch von seiner Geldbeschaffung auf ihre Kosten etwas mitbekam, begründete sie mit hoher Arbeitsbelastung und damit, dass man sich als Paar auseinandergelebt hatte. Sie habe auch ihre Finanzen nicht sorgfältig genug geprüft, räumte sie ein.

Der gewerbsmäßige Betrug flog erst vor einem Jahr auf, als Banken der Ehefrau und von deren Tochter aus erster Ehe bei den jeweiligen Arbeitgebern nachfragten, ob die vermeintlichen Kreditnehmerinnen dort wirklich tätig seien.

Freimütig gab der Angeklagte alle seine Vergehen zu, beließ es aber bei einem lapidaren „Ich habe Mist gebaut“, statt echter Reue. Er sei gerade dabei, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, besuche Sucht-Selbsthilfegruppen und habe dem Spielen abgeschworen, versicherte er.

Da er zudem nicht vorbestraft war, wollten weder Staatsanwalt Harry Wilke noch Richter Krusche ihm diese Zukunft verbauen. Das Gericht folgte deshalb dem Antrag der Staatsanwaltschaft und bemaß die Freiheitsstrafe so, dass sie zur Bewährung ausgesetzt werden konnte. Außerdem muss der 61-Jährige 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

Von Christine Zacharias

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