Erreichbar sein beruhigt - Eltern-Umfrage: Zu strenges Handy-Verbot schießt übers Ziel hinaus

BAD HERSFELD. Absolute Handyverbote in Schulen werden von Eltern aus dem Kreis mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Susanne Klieber aus Bad Hersfeld bewertet ein Verbot grundsätzlich positiv. „Die meisten Jugendlichen schreiben während des Unterrichts SMS und surfen im Internet. Dadurch wird die Konzentration beeinträchtigt.“

Trotzdem weist sie auf Einzelfälle hin, bei denen die Nutzung von Handys unerlässlich sein kann, beispielsweise bei medizinischen Notfällen auf dem Schulhof.

Ausnahmen bei Notfällen

„Die Tochter einer Freundin ist Diabetikerin und muss regelmäßig Spritzen gesetzt bekommen. Ohne Handy kann sie ihre Mutter nicht schnell erreichen. Das kann lebensgefährlich sein.“ Für Notfallsituationen bestehen an den Schulen allerdings Ausnahmeregelungen, nach denen der Handygebrauch erlaubt ist. Dennoch weist Susanne Klieber auf die beruhigende Wirkung für Eltern im Allgemeinen hin, wenn ihre Kinder durch Handys ohne fremde Hilfe erreichbar sind. Ähnlich sieht das Christina Ritter aus Rotenburg. „Grundsätzlich brauchen Kinder kein Handy in der Schule“, sagt sie. „Aber bei Unterrichtsausfall oder wenn der Bus weg ist, ist es natürlich sehr nützlich.“ Bettina Champagne aus Bad Hersfeld, Mutter einer elfjährigen Tochter, weist auf die Vorteile von Handys vor und nach dem Unterricht hin, insbesondere bei krankheitsbedingtem Ausfall einer Schulstunde. Sie wisse nicht, wie ihre Tochter sie sonst darüber informieren sollte. „Nicht alle Schüler können das Sekretariatstelefon der jeweiligen Schule benutzen. Es müsste eine andere Regelung gefunden werden, die das Abgeben aller Handys beim Lehrer zu Beginn des Unterrichts vorschreibt.“ Elke Herbst aus Bad Hersfeld, deren Enkelin die Konrad-Duden- Schule (KDS) besucht, hält zu strenge Verbote für übertrieben. „Ich muss meiner Enkelin eine Schulmappe bringen, traue mich aber nicht, sie in der Pause anzurufen, da sie an der KDS sonst mit strengen Konsequenzen rechnen muss. In den Pausen sollte die Nutzung von Handys auch dort erlaubt sein.“ Statt eines generellen Verbots schlägt sie eine gezielte Vermittlung von Regeln, Werten und Anstand im Unterricht als Prävention der Störung durch Handys vor. „Gegenseitiger Respekt und das Befolgen von Regeln werden den Schülern heutzutage nicht mehr beigebracht.“

Silke Grebe aus Friedlos sieht dagegen kein Problem in einer strikten Regelung. „In unserer Schulzeit gab es keine Handys, und wir leben offensichtlich noch.“ Dieser Meinung schließt sich auch Irmi Meister aus Rotenburg an. „Die Kinder sollen schließlich dem Unterricht folgen und lernen.“

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