Hersfelder soll von Saunaclub-Besucher und Bordellbetreiber Geld gefordert haben

Erpressung im Rotlichtmilieu

Kassel. Vor dem Landgericht Kassel muss sich ein Mann aus Bad Hersfeld wegen räuberischer Erpressung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung verantworten. Mit acht bis zehn Begleitern im Schlepptau soll der 28-Jährige im Oktober 2009 den Besucher eines Kasseler Sexclubs massiv bedroht und so zur Zahlung von 20 000 Euro gebracht haben. Kurz zuvor soll er von einem Bad Hersfelder Bordellbetreiber Schutzgeld verlangt haben. Seit August sitzt er in Untersuchungshaft.

Der Vorfall in dem Kasseler Saunaclub wirft viele Fragen auf. Fragen, zu denen sich der Angeklagte nicht äußern wollte. Beim Haftrichter hatte er erklärt, er kenne das 54-jährige Opfer von Geschäften mit Altreifen. Allerdings sei es umgekehrt gewesen: Der andere habe ihn mit einem Messer bedroht, wegen angeblicher Schulden.

Das Opfer sagte erst aus, nachdem das Gericht ihm einen Anwalt als Beistand herbeitelefonierte. Er sei in dem Bordell zufällig auf den ihm unbekannten Angeklagten getroffen, erklärte der Mann dann. Es sei zu einem Wortwechsel gekommen, aus dem sich ein Streit entwickelte – und die Forderung des Angeklagten, er müsse nun 30 000 Euro bezahlen. Ein Teil der Gruppe habe ihn dann zu seiner Wohnung im Schwalm-Eder-Kreis gefahren, so der 54-Jährige weiter, und sich seine Ersparnisse in Höhe von 20 000 Euro aushändigen lassen.

Laut Anklage hatte der Rest der Gruppe währenddessen einen Bekannten des Opfers in dem Bordell festgehalten, deshalb der Vorwurf der Freiheitsberaubung. Dieser Mann war vor Gericht bemüht, die Sache herunterzuspielen. „Es war keine schöne Zeit, aber mir wurde nichts getan“, betonte er und legte sich gar fest, der Angeklagte sei „hundertprozentig“ nicht dabei gewesen. Von den wirklichen Tätern könne er keinen beschreiben.

Fest steht, dass es vier Tage später zu einem blutigen Zwischenfall gekommen war: An diesem Tag hatte das Opfer Besuch von dem Angeklagten und einem Begleiter bekommen und dabei den Angeklagten niedergestochen. Bei diesem Treffen sollte der 54-Jährige laut Staatsanwaltschaft noch einmal 10 000 Euro zahlen.

Schockzustand

Warum er stattdessen zugestochen hatte, konnte der 54-Jährige nicht erklären. „Ich war im Schockzustand“, meinte er nur. Wegen der Messerstiche war er im Juni vorm Amtsgericht Fritzlar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Erst nach diesem Prozess wurde gegen den jetzigen Angeklagten ermittelt.

Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. Dann wird es auch um den Vorfall in dem Bad Hersfelder Bordell gehen. Hier soll der 28-Jährige 300 Euro wöchentlich gefordert haben, ansonsten werde der Betrieb Probleme bekommen. Der Inhaber hatte aber nicht gezahlt.

Von Gabriele Sümer

Kommentare