Kabarettistin Uta Rotermund erzählt im Buchcafé vom Leben jenseits der Fünfzig

Erotik statt Seniorenteller

Da wird der Greis heiß: Uta Rotermund erzählt von Thesi und ihren Freundinnen, die sich mit Tabledance bei Senioren die Rente aufbessern. Fotos: Zacharias

Bad Hersfeld. Der Greis ist heiß, meint Uta Rotermund. Das ist ihrer Meinung nach aber noch lange kein Grund, warum Frauen das letzte Drittel ihres Lebens mit einem Wesen verbringen sollten, „das die Gefühlsintensität von Tütensuppe“ hat. Die Kabarettistin aus Dortmund war am Samstagabend mit ihrem Programm „50 Plus! Seniorenteller?“ zu Gast im Bad Hersfelder Buchcafé und bescherte dem überwiegend weiblichen Publikum einen höchst vergnüglichen Abend. Alt werden ist kein Spaß. Aber auf dem Weg dahin gibt es jede Menge zu lachen – mitunter auch etwas gallig.

Und so erzählt Uta Rotermund in immer neuen, witzigen Kostümen mit geschliffenen Worten und ausgefeilter Körpersprache, was Frauen über 50 so alles zustoßen kann. Da ist der „Osteoporose-Teller“, der im feinen Lokal eines Kurortes angeboten wird, noch eines der kleineren Übel.

„Die Kinder sind aus dem Haus und kommen mit ihren selbstgemachten Blagen zurück. Der Gatte ist auch aus dem Haus, mit der kleinen, blonden Schnecke aus seinem Büro, dafür kommen die Eltern wieder, die im Alter Betreuung und Fürsorge benötigen“ – das ist das Szenario, das Uta Rotermund entwirft und das – ganz oder in Teilen – vielen Besucherinnen bekannt vorkommt.

Und die Perspektiven sind nicht rosig. Rotermund erzählt von Thesi, die mit 76 Jahren noch putzen gehen muss, um ihre bescheidene Rente aufzubessern – in einer Table-Dance-Bar. Und da kommt Thesi auf die grandiose Idee, sich mit MEK, einem mobilen Einsatzkommando, selbstständig zu machen und etwas Erotik in das Leben einsamer alter Männer zu bringen. Für mögliche Nachahmerinnen hat Rotermund natürlich jede Menge Tipps parat und führt auch gleich mutig vor, wie das so geht, den Greis heiß zu machen. Das Publikum quietscht vor Vergnügen und ist zugleich voller Bewunderung für die Frau auf der Bühne, die mutig Haut zeigt. „Wenn ich schon abtreten muss, dann will ich das mit einem Glas Wein in der einen und einem Trüffel in der anderen Hand tun“, ermutigt die Kabarettistin die Frauen, sich ihr Leben nach eigenen Wünschen zu gestalten.

Von Christine Zacharias

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